Langsamer Neustart

Oberklasse-Limousine Cadillac CTS-V, exquisit in der Grundausstattung und sehr schnell. [Foto: © General Motors]

So offensichtlich wie in den Filmen  „Matrix Reloaded“, „Bad Boys II“ „Burn Notice“ (Fernsehserie), in denen ein Cadillac CTS jeweils seinen großen Auftritt hat, ist die Oberklasse-Limousine auf deutschen Straßen kaum auszumachen. In Deutschland wurden beispielsweise 2009 kaum mehr als fünfzig Exemplare verkauft, obwohl General Motors seit 2005 versucht, mit neuen Modellen, wie dem BLS, Escalade oder XRL, wieder langsam Marktanteile zu gewinnen. Seit 2010 lagen die Stückzahlen zumindest im dreistelligen Bereich.

Mit dem neuen CTS-V soll nun der Durchbruch auf dem europäischen Markt gelingen. Mit einer Luxuslimousine für knapp 100 000 Euro, die mit Modellen wie dem Audi RS6 oder BMW M5 konkurrieren will. Dass sie das auch kann, versprechen der 6,2-Liter-Kompressormotor und das Automatikgetriebe 8L90, die beide aus der Corvette Z06 stammen. Damit sind Geschwindigkeiten um 280 Kilometer pro Stunde kein Problem. Die Ausstattung ist umfänglich und exquisit, was bei einem solchen Schwergewicht erwartet werden darf. Die neuen V-Limousinen sind für Cadillac so etwas wie die Ankündigung einer weiterreichenden Strategie, im Segment der Oberklasse und Luxuslimousinen auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Daher ist bald mit neuen Modellen zu rechnen.

 

Schminkspiegel mit Sportwagen


Schön, schnell und extrovertiert gebaut. Der 570S ist der erste McLaren mit Handschuhfach und Schminkspiegel [Fotos: © Copyright McLaren Automotive Limited]

McLaren steht für Supersportwagen in Kleinserie. Bis 1997 heißen die Modelle F1, bis 2009 Mercedes-Benz SLR McLaren, seit 2013 P1 und seit 2014 650 S. Mit dem Modell 570S präsentiert McLaren nun eine neue Baureihe, die beispielsweise für den Porsche Turbo S eine Alternative sein könnte. Sicher nicht in puncto Stärke und Aggressivität. Seine Attraktivität speise sich aus seiner Ausstrahlung, seiner Gefälligkeit, heißt es unter Fachleuten. Daher wird ihm eine extrovertierte Formensprache bescheinigt, als sei ein gänzlich neues Modell, ein Exot, vom Himmel gefallen. Die nach oben aufschwingenden Schmetterlingstüren könnten freilich ein Indiz dafür sein. Allerdings arbeitet unter seiner Karosserie ein 3,8-Liter-V8-Mittelmotor mit doppelter Aufladung, der den Sportwagen in 3,2 Sekunden auf Tempo 100 bringt und keinen Zweifel daran lässt, total irdisch zu sein. Doch der McLaren 570S ist nicht nur schön und schnell, auch seine Fahreigenschaften, auf freier Strecke oder in Kurven, könnten nicht überzeugender sein: Die verschiedenen Modi für Handling und Antrieb lassen sich dabei spielerisch und frei miteinander kombinieren. Zudem ist der 570S dank Carbon-Chassis ein relativ leichter Sportwagen, vergleicht man ihn mit einem Porsche 911 Turbo. 

Dass er alles in allem für spezielle Sportwagen-Puristen nicht brachial genug ist, gar als „Daily-Driver“ oder Frauenauto durchgeht, erweist sich schluss-endlich als Vorteil.

Mit dem neuen McLaren-Einstiegsmodell will die englische Sportwagenschmiede nicht nur eine sehr attraktive Alternative zu den Platzhirschen aus Deutschland anbieten, sondern vor allem neue Käuferschichten generieren.

 

MEHRMINI


Foto: BMW AG

In fast allen EU-Ländern wurden im vergangenen Jahr mehr Autos verkauft als im Jahr davor. Für die deutschen Marken war das ein Plus von rund neun Prozent. Dabei legte Daimler am meisten zu, aber auch BMW konnte sich nicht beklagen. Das hat der Münchner Autobauer nicht zuletzt den drei Mini-Generationen zu verdanken, die inzwischen eine ansehnliche Fan-Gemeinde entstehen ließen. Jetzt kommt pünktlich zum Frühjahr nicht nur das neue Mini Cabrio auf den Markt, sondern BMW punktet weiter mit dem neuen Top-Modell, dem Mini John Cooper Works. Mit gleicher Designphilosophie wie beim Cooper S, aber 39 PS mehr Leistung, beschleunigt dieser Mini-Sportler von Null auf Tempo 100 in 6,6 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 242 Kilometer pro Stunde. Aber auch das neue Mini Cooper Cabrio kommt attraktiver daher. Sein Dach lässt sich erstmals vollelektrisch öffnen. Das dauert 18 Sekunden lang und funktioniert bei einer Geschwindigkeit bis maximal Tempo 30. Der vordere Teil des Stoffverdecks ist als Schiebedach gestaltet. Im Vergleich zum Vorgänger-Modell ist das Mini Cabrio größer und daher geräumiger. Das betrifft auch das Ladevolumen. Das Cabrio kommt mit drei Motorvarianten auf den Markt: 116 PS für das Basismodell, 136 PS und 192 PS für den Mini Cooper S. Die Preise bewegen sich zwischen 24 000 und 28 000 Euro. Immerhin beschleunigt der Cooper S von Null auf Tempo 100 in 7,2 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 230 Kilometer pro Stunde. Damit ist er fast im Leistungsbereich des Mini John Cooper Works Cabrio, das allerdings auch serienmäßig mit Sportfahrwerk und Zweiliter-Reihenvierzylinder-Turbo ausgestattet ist und daher den größten Fahrspaß bietet. Dessen Preis beginnt ab rund 33 000 Euro. Mit der Wahl zwischen manueller Sechsgang-Handschaltung und sechsstufiger Sechsgangautomatik bei allen neuen Modellen kommt BMW seiner speziellen Mini-Käuferschicht sehr entgegen.

 

Isabella, die praktische


62 Jahre liegen zwischen den Geburtsjahren dieser beiden Fahrzeuge der Marke Borgward: Isabella TS und Borgward BX7. [Foto: © 2015 BORGWARD GROUP AG]

Wer kennt schon noch die Traditionsmarke „Borgward“. In den 1950ern war das elegante Borgward Coupé Kult.  Getauft auf den Namen Isabella, die ewig Schöne, begeisterte der Wagen die Autowelt und setzte technische  Maßstäbe.

Carl Borgward hatte 1954 mit der Produktion des Modells „Isabella TS“, als Nachfolger des „Hansa 1500“, dem ersten Pkw der Firma, begonnen. Das Coupé sollte dann 1957 den bis dahin mageren Absatz ankurbeln. Doch auch nach weiteren vier Jahren stieg weder die Nachfrage, noch reagierte der Firmengründer mit rettenden Maßnahmen. Die Firma geriet in finanzielle Schwierigkeiten und Carl Borgward musste schließlich ein Konkursverfahren einleiten. Das war das endgültige Aus für eine vielversprechende Autoschmiede.

Vor zehn Jahren hat sein Enkel Christian Borgward das Wagnis begonnen, die Traditionsfirma seines Großvaters wieder zum Leben zu erwecken. Und das, obwohl die Wiedergeburt von Kultmarken keineswegs mit einer Erfolgsgarantie verbunden ist, wie das Beispiel Maybach zeigt. Mit der Gründung der Borgward Group AG in Stuttgart ist ihm allerdings im vergangenen Jahr tatsächlich der Neustart gelungen. Dabei scheint das Konstrukt des neuen Unternehmens aufzugehen: Die finanziellen Mittel kommen vom chinesischen Lkw-Bauer Beiqi Foton, technisches Know-how, Design und Zulieferfirmen aus Deutschland. Produziert wird selbstverständlich in China, in erster Linie für den chinesischen Markt. Dabei zielt Beiqi Foton auf die immer noch wachsende Nachfrage nach sportlichen Geländewagen. Deshalb ist auch das erste Modell, der Borgward BX7, mit Plug-in-Hybridantrieb, ein SUV. In diesem Jahr kommt er in China auf den Markt, wohl erst 2017 in Deutschland. Gerechnet wird mit einer Jahresproduktion von etwas mehr als 200 000 Einheiten, soviel, wie einst die Gesamtstückzahl des Borgward Isabella TS in den Jahren von 1954 bis 1961. Ähnlichkeiten zwischen den beiden sind freilich ausgeschlossen, nur das alte Borgward-Logo prangt ebenso auf dem Kühlergrill des neuen BX7 wie einst an der legendären Isabella.

 

Motorenwechsel beim 911er


Feierte Weltpremiere auf der IAA: der neue Porsche 911 Carrera. [Foto: © F. Porsche AG]

Die zahlreichen Modellbezeichnungen des „Neunelfer“ waren von jeher verwirrend, aber stets mit kontinuierlichen Weiterentwicklungen des „Klassikers“ verbunden. Ende der 1980er-Jahre allerdings stand der 911er sogar wegen rückläufiger Verkaufszahlen zur Disposition. Doch dann vermarktete Porsche kurzerhand den 964 als neuen 911er. Für dessen Ablöse sorgte 1993 der Porsche 993, der unter den 911-Modellen als besonders ausgereift und zuverlässig galt und die Porsche-Puristen bis heute begeistert. Der 993 schaffte denn auch 1997 den Sprung vom luft- zum modernen, wassergekühlten Modell. Mit diesem Wechsel vergleicht Porsche nun den Schritt vom bislang aktuellen zum überarbeiteten 911er, der, zur IAA im September vorgestellt, seit Ende des vergangenen Jahres ausgeliefert wird. Von einer Erneuerung ist die Rede. Was sich dahinter verbirgt, verrät zuallererst der neue Turbomotor. Kein Saugmotor mehr treibt den neuen 911er Carrera an; ein kleinerer, sparsamerer Dreiliter-Turbo soll dagegen noch leistungsfähiger als sein Vorgänger sein – bis 450 PS in der Carrera S-Variante – und zudem mehr Fahrdynamik entwickeln. Das klingt übertrieben, ist aber tatsächlich allein der fein abgestimmten, neuen Motorentechnik geschuldet. Beispielsweise kann der Fahrer das Ansprechverhalten des neuen Turbomotors mittels Sports   Response Button (SRB) in den Stufen 0, S, S1, und I extrem beeinflussen. Neben den beiden Sport-Modi S und S1 erlaubt der SRB selbstverständlich auch eine individuelle Fahrweise. Dafür muss der I-Modus gewählt werden. Im S1-Modus beschleunigt der Carrera in 4,3 Sekunden von Null auf Tempo 100 und erreicht als Carrera S Höchstgeschwindigkeiten wie sein Vorgänger. Gleichzeitig wird die Karosserie um 20 Millimeter abgesenkt. 

Neben veränderten Stoßfängern, Schürzen und Leuchten umfasst das „Facelifting“ der neuen Carrera-Generation zahlreiche Sicherheits- und Komfortfunktionen, beispielsweise eine hydraulische Hebeeinrichtung an der Vorderachse, um den Spoiler vor Beschädigung in Tiefgaragen zu schützen, eine Multikollisionsbremse, um weiteren Schaden nach einem Aufprall zu verhindern, sowie einen Spurwechselassistenten. Mit dem neuen Motor sollte natürlich auch der Durchschnittsverbrauch gesenkt werden. Mindestens ein Liter weniger gegenüber dem Vorgänger war das erklärte Ziel. So kommt der 911er nun mit nur etwa sieben Litern aus.

 

A-Klasse für Youngster


Nach dem Facelifting lockt die A-Klasse neue Käuferschichten an. [Foto: © 2016. Daimler AG]

Seit die neue A-Klasse auf dem Markt ist, stimmen nicht nur die Stückzahlen, auch die Käuferschicht hat sich verschoben zugunsten einer jüngeren Klientel. Kompaktere Formen treffen offenbar mehr den Nerv auch jüngerer Fahrer. Für Mercedes war das Anlass für ein Facelifting. Die Limousine kommt jetzt noch frischer, sportlicher daher, die AMG-Variante mit 381 PS lässt auch keinen Zweifel an ihrer sportlichen Attitüde. Entsprechende Details unterstreichen die neue Optik. Um auch iPhone und Smartphone im Auto nutzen zu können, für anspruchsvolle Youngster ein Muss, sind in der neuen A-Klasse nun die Techniken Apple Carplay und Mirrorlink integriert, ebenso der Sprachassistent Siri. So ist Telefonieren, SMS, E-Mail, Navigieren und Musikunterhaltung im Auto kein Problem mehr. Zudem können nicht nur die AMG-Modelle ihre Fahrprogramme auf Knopfdruck ändern, auch alle anderen Varianten der A-Klasse verfügen über vier Fahrprogramme: „Comfort“, „Sport“, „Eco“ und „Individual“. Das Modellprogramm der A-Klasse umfasst mittlerweile siebzehn Modellvarianten.   

Reinhard Wahren

 

65 - Winter 2016
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