Von der Lust, etwas zu unternehmen

Ordentliche Arbeit muss auch ordentlich bezahlt werden, meint Unternehmer Bucec [Foto: Dirk Lässig]

Tomislav Bucec ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Seit 2015 gibt er die „Reinickendorfer Allgemeine Zeitung“ heraus. Eine Zeitung zum Anfassen mit ausschließlich lokalen Themen. Was für ein Wagnis – wo die Auflagen der gedruckten Blätter bundesweit langsam, aber stetig schwinden. Aber die 14-täglich erscheinende und kos-tenlos ausliegende Zeitung läuft gut. Die 48 Seiten bringen es auf eine Auflage von 40 000 Exemplaren. Hat Bucec einen Trend gesetzt? Wird eine gut gemachte Lokalzeitung die Zukunft auf dem Markt sein? Der Herausgeber hat sich die gesellschaftliche Entwicklung über Jahre angesehen. Das engere Umfeld, die Wohngegend, der Freundeskreis sind wichtiger für die Menschen geworden. Eine Lokalzeitung ist da die ideale Form, um mehr voneinander zu erfahren und sich auszutauschen. 

Die Zeitung ist aber nur ein kleiner Teil des Unternehmens „Laserline“, dessen Chef Tomislav Bucec seit 20 Jahren ist. Das Hauptgeschäft ist der Druck von Visitenkarten, Speisekarten, Werbebannern, Büchern, Werbe-Flyern, Programmheften, Bierdeckeln, Katalogen, Kalendern. Der Betrieb hat knapp 200 Mitarbeiter, darunter 25 Lehrlinge, ein auffällig schickes Fabrikgebäude in Türkis und Glas mitten in Berlin. Nichts erinnert an Druckereien herkömmlichen Zuschnitts, außer eine historische Maschine im großzügigen Foyer. Tomislav Bucec ist kein Drucker oder Designer. Er ist, sagt er von sich, ein „Unternehmer“, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er unternimmt etwas, um Entwicklungen voranzutreiben, neue Ideen umzusetzen, damit seine über 50  000 aktiven Kunden das bestmögliche Produkt erhalten. Der Mittfünfziger, der in Zagreb geboren wurde, versteht sich ebenso als Motivator, der sein Team immer wieder begeistern will.

Zurück zu den Wurzeln, die liegen eindeutig bei der Zeitung, zunächst einer Schülerzeitung. Mit 13 hat er sie ausgetragen, dann gründete er selbst eine. „Nicht um viel Geld zu verdienen, sondern weil ich Lust hatte, etwas zu unternehmen“, sagt er. Dann nahm sein Verlegertum Fahrt auf und er verblüffte alle. Das Uni-Journal, ein Studenten-Magazin, war bundesweit am Start – mit einer Auflage von 300 000 Exemplaren und fünf Lokalredaktionen. Dabei kam der Herausgeber selbst kaum zum Studieren – zu viel Arbeit. An der Technischen Universität Berlin war er im Fach Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben – und das zehn Jahre lang. In einem Seminar zum Marketing erkannte er, dass er nun genug studiert hatte. Längst ging er in der Praxis andere Wege, als in der Theorie gelehrt wurde. Marktlücken erkennen und kreativ sein kann man nicht studieren. Dann eben ohne Abschluss ins Berufsleben.

Es war die Zeit Ende der 1980er Jahre als die Computer endgültig von uns Besitz ergriffen. Man konnte vom Schreibtisch aus mittels Computer Druckvorlagen für jedwedes Produkt erstellen. Das Desktop-Publishing (DTP) revolutionierte Satz, Layout und Druck. 

Bucec hatte zu jener Zeit ein kleines Ladengeschäft im Wedding. Ein Laserdrucker der ersten Generation war das Herzstück der Werbe- und Layout-agentur. Und dieser Laserdrucker war Pate beim Namen „Laserline“. Aus jener Zeit wird auch gern die Episode kolportiert, dass ein Mitarbeiter Bucec vorschlug, eine Druckerei zu gründen und er ihm die Tür wies. Das änderte sich, als er selbst eine brauchte. Keine genügte seinen Anforderungen – zu langsam, zu unflexibel und immer nur auf die Feierabend-Uhr schauend. Auch heute noch ist er auf manch herkömmliche Druckerei nicht gut zu sprechen. Viele sind auf ihre Maschinen mächtig stolz, aber sie vergessen, dass sie für ihre Kunden arbeiten. 

1997 gründete Tomislav Bucec „Laserline“ mit fünf Mitarbeitern. Sein Credo damals: Hohe Qualität, schnell, kompetent und vor allem immer kundenfreundlich. Und das hat bis heute Bestand. Als eine der ersten Maßnahmen der neuen Firma brachte er einen Preiskatalog heraus, was Transparenz auf der ganzen Linie bedeutete und die Konkurrenz verärgerte. Aber das brachte seitens der Kunden Vertrauen und Zuverlässigkeit. Fünf Jahre nach dem Start bietet „Laserline“ seine Dienste auch komplett via Internet an, ein Novum in Deutschland. Und der Erfolg ist enorm. Aber nur Internet geht auch nicht, es muss eine Balance geschaffen werden. Das Gespräch mit dem Kunden ist enorm wichtig. Das war vor 20 Jahren so und ist es auch heute noch. Verändert haben sich die Ansprüche der Kunden, schätzt er ein. Der Trend gehe dahin, dass alles immer schneller gehen und zweitens alles noch billiger sein soll. Beim ersten kann und will er gern mithalten, beim zweiten ist er sehr zurückhaltend und bleibt bei seinen Preisen, die sich im mittleren Segment der Branche ansiedeln. Ordentliche Arbeit muss auch ordentlich bezahlt werden. 

Ganz vorn ist „Laserline“ in Sachen Umwelt dabei. Vieles hat sich verändert, aber der Grundstoff für Papier wächst nach wie vor im Wald. Um möglichst schonend mit dem nachwachsenden Rohstoff umzugehen, werden 90 Prozent der Materialien auf FSC- oder Recyclingpapier gedruckt. Eine originelle, auch für jeden Kunden nachvollziehbare Aktion, an der sich auch „Laserline“ beteiligt, ist: „I plant a tree.“ Hierbei werden von der gleichnamigen Umweltorganisation Bäume gepflanzt. Druckt man etwas bei „Laserline“, kann man für einen kleinen zusätzlichen Obolus Baumpflanzer werden. Und seinen Baum kann man sogar wachsen sehen, nämlich auf einer ehemaligen Hausmülldeponie in Wallendorf in Sachsen-Anhalt. 

Martina Krüger

 

71 - Sommer 2017
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