%3 abonnieren

Brandenburg (70 - Frühjahr 2017)

Was für ein Tag für Babelsberg

Jahrzehntelang sich selbst überlassen, leuchten Schloss und Park wieder in altem Glanz. Es plätschert, gurgelt, sprüht allerorten im Park Babelsberg. Wasserläufe und Brunnen, wohin das Auge schaut. Die Gotische Fontäne im Pleasureground mit seinen prachtvollen Blumenanlagen, der Adlerbrunnen, die goldene Reiherfontäne, bis hin zum großen Geysir in der Havel. Der Weg vom oberhalb gelegenen Schloss über den Pleasureground und die Rosentreppe hinunter zur Lenné-Bucht ist ein besonderes Erlebnis. Ein paar hundert Meter hinter dem Schloss findet sich das sogenannte Schwarze Meer. Dieser 2 500 Quadratmeter große künstliche See mit vier kleinen Inseln ist so geschickt angelegt, dass er noch größer erscheint, als er tatsächlich ist. Eine solche Garten- und Wasserwelt ist selbst in der verwöhnten Potsdamer Schlösserlandschaft einzigartig. Gern wird in diesem Zusammenhang von „Pücklers Wassermusik“ gesprochen, denn Fürst Hermann von Pückler-Muskau war es, der nach Peter Joseph Lenné den Park noch einmal gänzlich neu gestaltete. Er hatte sich 1842 am preußischen Hof um die Erweiterungsplanung des zehn Jahre zuvor angelegten Parks beworben. Insbesondere die sehr an Architektur interessierte Prinzessin Augusta war von dem  „Zauberer“ in Sachen Gartenkunst begeistert. Nach und nach wurde der Park auch in der Fläche erweitert, bis auf stolze 124 Hektar. Zusammen mit dem auf Berliner Seite gelegenen Böttcherberg bildet der Babelsberg so eine zusammenhängende Gartenlandschaft. Berlin hat darüber hinaus auch mit einigen Bauten hier Spuren hinterlassen. So steht die Gerichtslaube des alten gotischen Berliner Rathauses auf einem Hügel im Babelsberger Park, genauso wie eine Miniaturausgabe der Siegessäule.

Schloss Babelsberg wurde einst als Sommersitz für den Prinzen Wilhelm, den späteren König und Kaiser Wilhelm I. und seine Gemahlin Augusta in zwei Bauphasen errichtet. 1833 hatte Karl Friedrich Schinkel mit den Planungen begonnen. Nachdem Schinkel 1841 gestorben war, setzten Ludwig Persius und Johann Heinrich Strack die Arbeit fort. Doch nach dem Tod der Bauherren war Schloss Babelsberg bei der kaiserlichen Familie nicht mehr sonderlich beliebt.

Auch später haben Schloss und Park lange in einer Art Dämmerschlaf gelegen. Innerdeutsche Teilung und DDR-Grenzregime taten ihr Übriges. Zuletzt waren die Schlossfassaden schwarz, die Metallteile korrodiert und allerorten bröckelte der Putz. 

Die Idee, umlaufend um das Schloss Babelsberg Terrassen zu errichten, war ebenfalls auf Pückler zurückgegangen. Er konnte den Architekten Ludwig Persius von den ergänzenden Bauteilen überzeugen. Sie sollten den Übergang vom Schloss in den Garten sinnfällig machen und waren reich mit Skulpturen, Mosaiken und Pflanzen geschmückt. Karl Friedrich Schinkel, der das Schloss ursprünglich entworfen hatte, war noch ohne Terrassen ausgekommen. Dabei sind sie heute der ganze Stolz des Schlosses, machen es im wahrsten Sinne des Wortes luftiger. Die Porzellanterrasse mit
dem Städtebrunnen, die Voltaire-Terrasse und die Goldene Terrasse mit den ausladenden Pflanzenarrangements strahlen wieder in alter Pracht. Die Blaue Terrasse musste sogar zu großen Teilen neu rekonstruiert werden. In den nächsten Jahren soll dann auch die Restaurierung der Innenräume vorangetrieben werden. 

Vom Ergebnis der jüngsten Wiederherstellung von Schloss und Park sind selbst die Verantwortlichen überwältigt. „Was für ein Tag für Babelsberg“, sagte Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, anlässlich der Inbetriebnahme der Wasserspiele im letzten Jahr. „Eine der größten europäischen Schloss- und Parkanlagen des 19. Jahrhunderts ist wieder da.“ 

Insgesamt sind Schloss und Park Babelsberg kaum wiederzuerkennen.  Es ist gleichsam eine Neuentdeckung. Jahrzehntelang sich selbst überlassen, ist Babelsberg zu sich gekommen. Dabei ist viel Geld geflossen, sehr viel Geld. Möglich wurden die 2013 begonnenen Baumaßnahmen durch das Masterplan genannte Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten, das der Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin aufgelegt hatten. Allein die Sanierung der Außenhülle und der dazugehörigen Terrassen hat 9,7 Millionen Euro gekostet. Der Material-Mix aus Ziegelmauerwerk, Naturstein, Putzteilen, Holz und Zinkguss bedeutete immer wieder eine Herausforderung. Hinzu kommen diverse Millionen für den Park und die Instandsetzung historischer Wasserleitungen. Weitere historische Fontänen und Brunnen sollen in Zukunft noch errichtet und in Betrieb genommen werden. Es wird also immer wieder Neues zu entdecken geben in Babelsberg.

Karen Schröder

 

70 - Frühjahr 2017

Tagen, speisen, genießen und viel frische Luft

Schloss Ziethen im Havelland. Eine Szenerie wie aus vergangener Zeit: ein weiter Park mit alten prachtvollen Laubbäumen, gepflegtem Rasen, barocken Büschen. Mittendrin das ockergelbe Schlossgebäude mit seinen zwei Ecktürmen.

Schloss Ziethen liegt im nördlichen Teil des Havellands, wenige Minuten abseits des Berliner Rings in freundlicher, stiller Natur. 

Ein Ort, der Geschichte erkennbar macht. Der älteste Teil des Hauses, ein Tonnengewölbe, wurde schon im 14. Jahrhundert errichtet.  Seither war das Herrenhaus ständigen Veränderungen unterworfen. 

Heute beherbergt das Schloss Ziethen ein Hotel mit Restaurant. Das Herrenhaus verfügt über elegante Salons und verschiedene Tagungs- und Veranstaltungsräume mit großzügigen Terrassen und Zugang zum Park. Das Restaurant „Die Orangerie“ mit  südländischem Flair bietet eine moderne regionale Küche und hat unter Chefkoch Matthias Lingner bereits im Gault Millau Beachtung gefunden. Für Tagungen sind die his-torischen Räume im Schloss besonders repräsentativ. Ihr direkter Zugang nach  draußen ermöglicht schnell, eine Veranstaltung  in den Park unter die alten Bäume zu verlegen. Überhaupt sind alle Räume gut tagesbelichtet und strahlen eine freundliche, einladende Atmosphäre aus. Im ehemaligen Schulhaus am Rande des Parks sind nach Renovierung aus alten Klassenzimmern  zusätzliche moderne Tagungsräume entstanden. Auch hier kann eine Veranstaltung schnell ins Freie verlegt werden. Der Schlosspark,  der fast fließend in die havelländische Landschaft übergeht, bietet  Platz für Teamevents, Präsentationen oder einfach für Bewegung an frischer Luft. Auch die Umgebung von Schloss Ziethen ist eine Reise wert. Knapp vier Kilometer nördlich befindet sich die einstige Ackerbürgerstadt Kremmen mit historischem Stadtkern, Marktplatz und einem prachtvollen Rathaus, das im neoklassizistischen Stil wieder hergerichtet wurde. Ein weiteres Highlight ist der ca. fünf Kilometer entfernte Golfclub Kallin mit seinem 18-Loch-Meisterschaftsplatz und einem 9-Loch-Platz als Public Course.  In der unmittelbaren Umgebung gibt es viele stille Kanäle, die das Havelländische Luch durchziehen und auch den Reiz der Landschaft ausmachen. 

Bauherr von Schloss Ziethen war die Familie von Bredow, die etwa bis zum 16. Jahrhundert Eigentümer des Gutes blieb. Nach mehreren Wechseln fiel es an den Feldmarschall Fürst von Blücher. Nachfolger des Fürsten in der langen Liste der Besitzer begannen damit, das Gut landwirtschaftlich zu verwalten. Sie wurden 1945 enteignet. 1994 übernahm Edith Freifrau von Thüngen-Reichenbach, geborene von Bülow, das Haus und sanierte es von Grund auf für seine neue Bestimmung als Hotel und Restaurant.

 

70 - Frühjahr 2017