Meinung: Die meisten Investoren sind dem Mainstream der Architektur unterworfen

Sven Blumers ist seit 20 Jahren selbstständiger Architekt in Berlin [Foto: Frank Roesner]

Immer wieder wagen Architekten in Berlin den Versuch, mit moderner Architektur das Stadtbild zu prägen und moderne Nutzungskonzepte zu entwickeln. Dies würde den Weg für moderne Architektur und neue Gestaltungsansätze ebnen. Der moderne Arbeitsplatz wie auch die moderne Wohnung sollte nicht nur den Ansprüchen der jetzigen Zeit genügen, sondern auch zukunftsweisende Innovationen enthalten. Da überrascht es umso mehr, dass ein Großteil von Entwürfen, die dies berücksichtigen, nicht zur Ausführung kommt. Die Architekten, die mit solchen Entwürfen antreten, scheitern meistens an zwei Problemen.

Zum einen sind die meisten Investoren dem Vermarktungsdruck, der Scheu vor dem Risiko sowie dem Mainstream der Architektur unterworfen. Dazu kommt die Angst vor unberechenbaren Kosten und die Hürde des Genehmigungsverfahrens. Das alles lässt extrovertierte Entwürfe meist schon im Ansatz scheitern. Die Potentiale, die ein besonders gestaltetes Gebäude birgt, erschließen sich oft erst nach der Fertigstellung. 

Das zweite Problem ist die Einschnürung und Begrenzung durch die Behörden Diese greifen im Zuge der Genehmigungsverfahren bis teilweise zur Fassadengestaltung und Farbgestaltung in den Entwurf ein. Hierbei ist das vorgegebene Projekt durch den Wunsch nach Gleichklang mit der Umgebung wie auch von der Angst vor Klagen von Bürgern, denen die Architektur nicht gefällt, geprägt. Vor allem die Erhöhung der Baumassen im Innenstadtbereich wird durch eine Welle von Klagen von Nachbarn aus angrenzenden Gebäuden und durch die unverständliche Rechtsprechung der Gerichte in Berlin verhindert. Auf der einen Seite schreien Politik und Stadt nach mehr Wohnraum und Gewerbeflächen, gleichzeitig wird deren Umsetzung aber verhindert. 

Fazit ist, dass bei Diskussionen über moderne Architektur Städte wie London, Paris oder Moskau benannt werden, nie aber Berlin. Hier wäre ein Umdenken dringend notwendig, um die Stadt für die Zukunft innovativ und attraktiv zu gestalten.

Sven Blumers

 

71 - Sommer 2017
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