Die Klassische Moderne als Leitbild – 25 Jahre Blumers Architekten

Visualisierung des geplanten Gymnasiums in Schönefeld [Fotos: Blumers Architekten]

Seit 1998 planen Blumers Architekten mit einem Team von 40 Mitarbeitern aus derzeit neun Nationen deutschland- und europaweit Bau-Projekte. In diesem Jahr feiert das Büro mit Sitz in Berlin sein 25-jähriges Bestehen.

„Immer best- und schönstmöglich sowie verantwortungsvoll vorzugehen, statt Kompromisse zu machen“, so beschreibt Geschäftsführer Sven Blumers Philosophie und Anspruch seines Architektur-Büros. Zum Portfolio gehören vor allem Wohnungen, aber auch Büros und Schulen. Ein weiteres wichtiges Standbein ist die behutsame Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden.

 


Blumers Architekten: Gerhard Kruschhausen, Michael Koehntopp, Sven Blumers, Sven Nolte (v.l.n.r.)

 

„Wir folgen dem klassisch-modernen Stil. Das bedeutet, einen hohen ästhetischen Anspruch einzulösen, die Funktionalität möglichst ideal umzusetzen sowie konsequent auf Nachhaltigkeit – auch im Sinne von Klimaschutzzertifikaten – zu achten. Diese Komponenten zusammen ergeben für uns gelebte Baukultur“, sagt Blumers. Die Mitarbeiter des Architekturbüros stecken viel Know-how in die Planung energieneutraler Gebäude – mit bemerkenswerten Ergebnissen. In Blankenfelde-Mahlow entstand ein Wohnquartier mit 186 Reihenhäusern und gewerblichen Einrichtungen. Die Wärmeversorgung erfolgt ausschließlich durch ein Zusammenspiel der erneuerbaren Energieträger Geothermie und Luftwärme.

 

„Architekten haben Ideen und setzen
 Zeichen – das sollte in der Gesellschaft
 stärker sichtbar werden“  Sven Blumers

 

Eine Sanierung, ein Umbau und eine Erweiterung existierender Gebäude stellen wiederum ganz andere Anforderungen an die Arbeit der Architekten. Aber dieses Segment hat Tradition: 1999 wurde das Büro Blumers mit der Planung des Wiederaufbaus der denkmalgeschützten Spanischen Botschaft betraut – die Rückführung zum alten Baukörper und die wiedererlangte architektonische Eleganz stellen nun ein Kleinod im Tiergartenviertel dar.

Im Zuge der Stadtentwicklung um den Hauptstadtflughafen BER entstanden nach Planung von Blumers Architekten im Zentrum von Neu-Schönefeld knapp 1 000 Wohnungen sowie ca. 30 000 Quadratmeter Büronutzfläche. „Hier wurde Wohnraum für 3 000 Menschen geschaffen. Wir konnten dabei gleichzeitig anspruchsvolle Architekturprojekte auf höchstem Niveau verwirklichen“, so Blumers. Aktuell plant Blumers Architekten in Schönefeld ein fünfzügiges bilinguales Gymnasium mit einer Dreifeldsporthalle. Voraussichtlicher Baubeginn ist im September 2023. Im August 2025 soll die Schule an den Landkreis Dahne-Spreewald übergeben werden.

Ein weiteres Projekt, auf das die Architekten mit Stolz zurückblicken, ist die Sanierung der historischen Eisenbahnersiedlung im Elstal in der Gemeinde Wustermark. Die in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts als Gartenstadt erbaute und unter Denkmalschutz stehende Siedlung, 25 Kilometer westlich von Berlin, drohte zu verfallen. Mit viel Engagement gelang die behutsame Wiederherstellung des ursprünglichen Charakters der Siedlung und damit eine Revitalisierung der Umgebung und des historischen Ortskerns.

In Bad Bramstedt bei Hamburg unterstützen die Blumers Architekten die Bauherren des „Auenland Quartiers“ in der Entwicklung und städtebaulichen Planung. Es entsteht ein Neubau-Wohngebiet für rund 2 000 Menschen – ein 500 Millionen Euro umfassendes Projekt mit Hotel, Kitas, Schulen auf einem Bildungscampus, Jugendfreizeitplätzen und Seniorenanlagen. Eine Vision von generationsübergreifendem Wohnen soll sich hier erfüllen. Und mit modernen, effizienten Erdwärme-Energietechniken können die Wohnungen und Häuser für die Bewohner bezahlbar bleiben.

Kürzlich wurde die Taut-Anlage „Attilahöhe“ in Tempelhof saniert. Der deutsche Architekt und Stadtplaner Bruno Taut prägte vor rund hundert Jahren eine neue Architekturrichtung mit Schwerpunkt auf den sozialen Wohnungsbau. Unter anderem plante er auch die Wohnanlage „Attilahöhe“ im sachlich-funktionalistischen Stil, geprägt durch klare Linien und eine schlichte Fassadengestaltung.

Im Jahr 2019 wurden Blumers Architekten von der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG mit der Sanierung der Wohnanlage beauftragt. Das gesamte Objekt ist denkmalgeschützt und so wurden sämtliche Maßnahmen eng mit den Vertretern der Denkmalschutzbehörde abgestimmt.

Sven Blumers: „Wir arbeiten hervorragend mit Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften und besonders mit unseren engsten Partnern, den privaten Bauherren, zusammen. Wichtig ist für uns, die Interessen des Bauherrn immer optimal umzusetzen. Wir haben ein großes Netzwerk und verbinden professionelles Arbeiten mit einem reichen Schatz an Erfahrungen und wertvollen Kontakten. Es könnte in Berlin noch viel mehr gemacht werden, aber gerade hinsichtlich neuer Wohnungen sind die Verzögerungstaktiken der Verwaltung im Genehmigungsprozedere hinderlich – das läuft in anderen Städten besser. Wir wünschen uns Ermöglicher, keine Verhinderer. “

Blumers und sein Team planen und realisieren nicht nur regional und überregional, sondern auch Projekte auf dem europäischen Markt, etwa eine Hotelanlage im polnischen Stettin, die Sommerresidenz des Bischofs von Marseille oder große Wohn- und Einzelhandelsobjekte auf Mallorca und Ibiza. Für alle Unternehmungen hat Sven Blumers Leitgedanken formuliert: „Wir wollen Räume schaffen, die für den Nutzer optimiert sind. Wir wollen Projekterfolg für den Bauherrn. Und wir wollen unsere anspruchsvolle Architektur im Stil der Klassischen Moderne verwirklichen. Und wenn Sie mich fragen, was ich persönlich mal am liebsten planen würde, ist das ein Hochhaus mit mehr als zwanzig Geschossen: einfach wegen der hohen architektonischen Ansprüche und meiner Faszination für Hochhäuser“.

Edith Döhring

 

93 - Sommer 2023
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