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20 Jahre Magazin

20 Jahre Berlin vis-à-vis

Für uns Berliner und alle, die es geworden sind, hat sich die Stadt in den letzten 20 Jahren stark verändert. Berlin boomt. Nie waren die Besucherströme so groß wie in diesem Jahr. Schillernd, laut, bunt, lebendig, weltoffen: Die deutsche Hauptstadt ist beliebt, ihre Bewohner nörgeln weniger als früher, sind besser angezogen. Berlin ist aber nicht nur Touristenhotspot und Hochglanzmetropole. Bekanntlich hat jede Großstadt viele Gesichter.

Schöner Parken

Solange es Autos gibt, werden auch Unterbringungsmöglichkeiten für selbige nachgefragt, in den Innenstädten heute mehr denn je. Entsprechend groß fallen Tiefgaragen und Parkhäuser aus und sind, was die architektonischen Anforderungen angeht, nicht zu unterschätzen. Vor allem dann, wenn es darum geht, anspruchsvolle und atmosphärisch gelungene Nutzflächen zu schaffen. Inzwischen gibt es kreative Konzepte, die sich dieses Themas annehmen, zum Beispiel  die Contipark Unternehmensgruppe. In der „Alten Wallgasse“ in Köln wurden von einem alten Parkhaus vier Parkgeschosse abgetragen, auf den verbliebenen 250 Garagenplätzen wird ein Wohngebäude mit 31 Eigentumswohnungen errichtet.

Klaus-Jürgen Jahn, Geschäftsführer der Jahn Baumanagement GmbH in Berlin, hat sich mit seinem Unternehmen aber nicht nur auf die Sanierung von Parkhäusern und Tiefgaragen spezialisiert, sondern empfiehlt, gestalterische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. 

Im Zusammenspiel mit Licht und Farbe können Tiefgarage und Parkhaus Qualitäten entwickeln und erhalten, die heute zum Standard gehören sollten: sauber, sicher und hell müssen sie sein. Breitere Stellplätze und breite Markierungen machen sie ebenfalls benutzerfreundlicher.

Für große Parkhäuser hat Jahn Baumanagement mit ParkAd nun ein neues Produkt entwickelt, mit dem sich nicht nur eine ansprechende Gestaltung für das Parkhaus sicherstellen lässt, sondern zusätzliche Einnahmen generiert werden können: großflächige Parkhauswerbung. Anders als im öffentlichen Raum, der die Menschen mit einer permanenten Reizüberflutung konfrontiert, fällt in einem Parkhaus oder einer Tiefgarage jeder optische Reiz extrem ins Auge. Dieses Alleinstellungsmerkmal sowie die Möglichkeit, die Nutzer der Parkgarage hinsichtlich ihrer Größe und Zusammensetzung relativ genau als Zielgruppe einzugrenzen, machen sich die Parkhausbewerber zunutze: Klaus-Jürgen Jahn erklärt: „In Zeiten, in denen die Werbebudgets immer kleiner und deshalb immer genauer ausgesteuert werden müssen, ist die Zielgruppengenauigkeit und Streuverlustminimierung, die man in einem Parkhaus erreicht, ein großer Vorteil für Werbekunden, darüber hinaus eine gute zusätzliche Einnahmequelle für Parkhausbetreiber und -eigentümer.“   

 

64 - Herbst 2015

Berlin soll Hightech-Metropole werden

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sprach mit Berlin vis-à-vis über Wohnungsbau, Kultur, Flüchtlinge und die Startup-Szene.

Berlins Attraktivität ist ungebrochen. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, die Mieten steigen. Sind die Zeiten endgültig vorbei, als das Wohnen in der Hauptstadt noch für alle bezahlbar war? 

Mit der wachsenden Wirtschaft in Berlin wird das Leben in der Stadt auch teurer. Solange es damit einhergeht, dass mehr Menschen Arbeit haben und besser verdienen, ist das für eine Hauptstadt eine normale Entwicklung. Trotzdem unternehmen wir viel, um den Preisanstieg zu dämpfen und zu regulieren, damit Berlin weiter bezahlbar bleibt. Sei es über die Mietpreisbremse oder das Zweckentfremdungsverbot und vor allem den Wohnungsneubau. Berlin wird dadurch seine Attraktivität als Stadt der bezahlbaren Mieten gegenüber anderen europäischen Städten noch lange erhalten können. 

Mit der Hälfte des 2014 erzielten Haushaltsüberschusses soll in defizitäre Bereiche investiert werden, sowohl in den Wohnungsbau als auch in die Personalaufstockung in den Behörden. Wo ist derzeit der Bedarf am dringendsten? 

Wir nehmen knapp 500 Millionen Euro zusätzlich zu den anderen Inves-titionsmitteln in die Hand, um die Infrastruktur im Rahmen der wachsenden Stadt zu verbessern. Dazu gehören der Straßenausbau, die Schulsanierungen, Personalaufstockung in der Verwaltung und vor allem der Wohnungsbau. Dieser ist ganz eindeutig im Rahmen der Investition ein Schwerpunkt.  Berlins Einwohnerzahl ist im vierten Jahr in Folge um 40 000 Menschen gestiegen. 

Die vernachlässigte Wohnungsbaupolitik in der Vergangenheit stellt Sie vor große Herausforderungen: Es fehlen 22 000 neue Wohnungen, in den kommenden Jahren sollen bis zu 43 000 neue Wohnungen entstehen. Gleichzeitig erschweren immer wieder Bürgerproteste neues Bauen. Wird die Realisierung dabei immer wieder zum Balanceakt?

Bis 2010/11 standen viele Wohnungen leer. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Wir müssen ungefähr 10 000 Wohnungen pro Jahr bauen, um dem Bevölkerungsanstieg gerecht zu werden. Und ja, es gibt auf den Flächen,  auf denen Wohnungen entstehen könnten, riesige Nutzungskonflikte mit Auseinandersetzungen bis hin zu Bürgerprotesten. Das muss die Politik akzeptieren. Umgekehrt muss die Stadtgesellschaft akzeptieren, dass die Politik aus einem gesamtstädtischen Interesse heraus entscheidet, Wohnungen zu bauen, weil sie gebraucht werden. 

Einen Teil von Berlins Charme machen die vielen Freiflächen aus.  

Das stimmt. 

Will man das aufgeben? 

Nein, das kann man nicht aufgeben. Das grüne Berlin mit seinem hohen Freizeitwert ist Teil der Attraktivität der Stadt. Es ist eine Gratwanderung. Einerseits wollen wir unsere schönen Freiflächen erhalten, andererseits müssen wir verdichten. Um in der Innenstadt mehr Wohnungen schaffen zu können, müssen wir eben teilweise auch Brachflächen nutzen. 

Gerade ist wieder verstärkt Thema, in die Höhe zu bauen, wie schätzen Sie die realistische Umsetzung der Hochhausidee ein? Zum Beispiel das Projekt für den Hardenbergplatz. 

Oder auch am Alexanderplatz. Es wurden in den 90er-Jahren 20 Hochhäuser geplant, aber über Jahre ist nichts passiert. Jetzt tut sich endlich etwas. Ich finde das richtig, aber auch hier muss man sensibel sein und hinschauen, wo es passt. In City West und Ost, da, wo pulsierendes städtisches Leben herrscht, passen Hochhäuser. Sie gehören zur besseren Flächennutzung dazu. 

Der Fokus der Hauptstadt war immer stark auf die Kunst und Kultur gerichtet. Ihr Berlin soll auch Wirtschaftsstadt sein. War Ihnen die Wahrnehmung der Stadt als Kultur-Hotspot in den letzten Jahren zu einseitig? 

Nein, zu einseitig war es nicht, weil wir auch in den letzten Jahren ganz bewusst auf die Wirtschaftsstärke der Stadt gesetzt haben und ein europaweiter Anziehungspunkt geworden sind. Tatsächlich ist es mir wichtig, Berlins Kunst und Kultur weiter zu fördern, aber auch ganz bewusst darauf zu setzen, Investitionen in die Stadt zu holen, um die momentan hervorragende wirtschaftliche Entwicklung weiter voranzutreiben, ganz besonders im Bereich der Startup-Szene. 

Wird das Zugpferd Kultur nicht zurückgefahren? 

Nein, im Gegenteil. Der Senat hat dem Parlament einen Haushalt vorgelegt, in dem wir den Kulturetat um 10 Prozent aufstocken.

Es bestehen dennoch Bedenken von Kulturmachern hinsichtlich der Verteilung der Subventionen. 

Es werden nicht nur unsere Opernhäuser, also die großen Dampfer der Kultur, profitieren. Es werden auch tatsächlich die kleineren Häuser wie das Maxim Gorki Theater oder das HAU (Hebbel am Ufer), Atelierprogramme sowie die freie Szene bei der Verteilung bedacht. 

Und welche Bestrebungen gibt es, auch kleinere Startup-Unternehmen und Manufakturen zu unterstützen? 

Für die Startups ist es beinahe genauso wichtig, an Kapital zu kommen wie an Flächen, auf denen man sich nicht langfristig binden muss und auch mal etwas ausprobieren kann. Uns kommt zugute, dass wir die Gründerzentren rund um die TU haben, bei der GSG (die Gewerbehöfe und Gewerbeparks in Berlin, Anm. d. Red.) oder in Adlershof. Es ist ein echter Standortvorteil von Berlin, dass wir im Stadtbereich Raum für die Gründerszene haben, den wir fördern. Wir setzen vor allem auf Digitalisierung. Wir erarbeiten mit allen relevanten Stellen gerade eine Agenda mit konkreten Vorschlägen wie zum Beispiel auch mehr Professuren in dem Themenfeld. So wollen wir zu einer echten Hightech-Metropole werden.

Die Berliner schätzen Ihr unprätentiöses Auftreten und das Bodenständige, das Sie verkörpern. Überrascht Sie Ihr guter Stand selbst ein wenig? 

Es freut mich, dass ich von den Berlinerinnen und Berlinern angenommen werde und auch viel Unterstützung erfahre, sowohl aus Wirtschaft und Wissenschaft als auch aus der Kultur.  

Von Ramona Pop gibt es den Satz „Michael Müller kommt so gut an, weil er nicht Klaus Wowereit ist“.  Was denken Sie, wie lange Sie noch mit Ihrem Vorgänger verglichen werden?

Die Regierenden Bürgermeister werden immer miteinander verglichen, Eberhard Diepgen und Walter Momper bis heute. Mich stört es nicht. Ich bin mit Klaus Wowereit befreundet. Ihn zu kopieren, wäre furchtbar geworden, für uns beide und für alle anderen. Mir war von Anfang an wichtig, dass ich meinen eigenen Weg finde. Das scheint mir gelungen zu sein. Die Leute merken offensichtlich, der ist bei sich und versucht nicht irgendetwas zu spielen. 

Ihre bisherige Amtszeit von nicht einmal einem Jahr ist mit wichtigen und nicht leicht zu bewältigenden Aufgaben ausgefüllt: Haben Sie sich Ihr Amt so vorgestellt? 

Ich habe es mir so vorgestellt.  Und es macht mir sehr viel Spaß. Das Schöne an meinem Amt ist vor allem das große Themenspektrum. Als Stadtentwicklungssenator waren die Aufgaben auch vielfältig, aber viel mehr fokussiert. Dank der guten Mannschaft im Roten Rathaus, die mich kompetent unterstützt, konnte und kann ich mich mit allen Themen schnell vertraut machen. 

Sie haben von Anfang an die Fraktionschefs zusammengerufen, um die Versorgung der Flüchtlinge zu organisieren. Das hat man Ihnen hoch angerechnet. Wird schnelles Handeln weiterhin ein Stil Ihrer Politik sein? 

Bei diesem Thema kann man nicht lange hin und her diskutieren, man muss schnell organisieren. Die Menschen sind da und wir müssen ihnen helfen. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden,  dass das Zusammenleben gut funktioniert und nicht alles lahmgelegt wird. Deswegen war es mir wichtig, diesen Koordinierungsstab schnell einzurichten und personell zu verstärken. Es sind 25 000 Menschen in unsere Stadt gekommen, und bis zum Jahresende können es noch mal so viele werden. 

Wie gestaltet sich die weitere Aufnahme von Flüchtlingen in Berlin?  

Wir benötigen Unterbringungsmöglichkeit mit entsprechender Infrastruktur. Es gibt zwar viele Flächenangebote und leer stehende Lagerhallen, aber dann mangelt es an Toiletten, Duschen, Schulangeboten etc . Wir müssen Hilfsangebote gewährleisten und Standorte finden, an denen Integration möglich ist.

Welche Standorte kommen infrage?

Die Erstaufnahme in der Turmstraße soll entlastet werden durch eine weitere Immobilie der Landesbank an der Bundesallee. Im Gespräch sind dezentrale kleine Standorte, aber auch innerstädtische wie der ehemalige Flugplatz Tempelhof, auf dem  ein oder zwei Hangars genutzt werden könnten. Eine Teilnutzung des ICC steht auch zur Debatte, ebenso wie übergangsweise eine Messehalle. Es muss gemischt werden: kleine Unterkünfte, Kasernen wie in Spandau oder Hallen in der Stadt, die gut erschlossen sind.

Ist zu befürchten, dass die „Willkommenskultur“ in Berlin kippen könnte? 

Das A und O ist Information. Man muss sich mit dem Problem sensibel auseinandersetzen und die Menschen ernst nehmen, deren Sorge sich auf das Zusammenleben in der Stadt bezieht. Wie wird beispielsweise der Schulalltag aussehen, wenn Turnhallen beschlagnahmt sind. Die Akzeptanz der Berlinerinnen und Berliner  ist hoch,  und ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer würde es gar nicht funktionieren. Dafür bin ich sehr dankbar. Die Bundesebene muss auch ihrer Verpflichtung nachkommen und das Thema Flüchtlinge muss international gelöst werden. Es geht nicht, dass  in Europa fünf Staaten 50 Prozent der Last tragen und die anderen europäischen Staaten sich raushalten. Wir wollen internationale Lösungen und nationale Verantwortung. 

Statt großer Visionen versprechen Sie beispielsweise, die schlimmen Zustände auf  Berliner Schultoiletten zu verbessern. 

Eins schließt das andere nicht aus. Wenn wir darüber reden, eine High-tech-Metropole werden zu wollen, können wir uns trotzdem um Alltagssorgen kümmern. Viele Eltern und Lehrer sind genervt von den Zuständen an manchen Schulen. Wir wollen uns darum kümmern, sie zu verbessern. Ein großes Leitbild und Alltagssorgen kann man gemeinsam verfolgen. 

Danke für das Gespräch. 

Ina Hegenberger

 

64 - Herbst 2015

Hotelgeschichte am Alexanderplatz

Das Park Inn Hotel Berlin Alexanderplatz feiert seinen 45. Geburtstag. Das am 7. Oktober 1970 als „Interhotel Hotel Stadt Berlin“ eröffnete Vorzeigehotel der DDR blickt auf eine bewegte Erfolgsgeschichte und heute von seiner Panorama-Terrasse im 40. Stockwerk auf eine nach der Wende grenzenlos wachsende Stadt.

Mit 1012 Zimmern und Suiten, wovon täglich rund 900 Zimmer belegt sind, auf insgesamt 37 Etagen und einer Gebäudehöhe von ca. 150 Metern ist das Park Inn am Alexanderplatz das zweitgrößte Hotel der Bundesrepublik Deutschland. „In unserem Hotel übernachten pro Jahr cirka eine halbe Million Menschen“, sagt General Manager Jürgen Gangl. Nach Schätzungen der Übernachtungszahlen vor der Wende sei von ungefähr 24 Millionen Übernachtungen in 45 Jahren Hotelgeschichte auszugehen. Das höchste Berliner Hotel wurde am 7. Oktober 1970, dem 21. Jahrestag der DDR-Gründung, als „Interhotel Hotel Stadt Berlin“ eröffnet.

Das Prestigehotel der DDR konnte bereits zur Eröffnung mit 1006 Zimmern, flotten Aufzügen, unterschiedlichen Restaurants, Bars und dem Panorama Restaurant in der 37. Etage punkten. „Es war das beste Restaurant, das es in Berlin gab, und ein beliebter Treffpunkt für die alliierten Soldaten, die mit Bussen angekarrt und wieder abgeholt wurden“, erinnert sich Sous-Chef Klaus Wendland.

Vor genau 45 Jahren hat die Karriere des heutigen Sous-Chefs als ausgebildeter Koch im Park Inn begonnen. „Ich habe das Geschirr in das Lager geräumt, den Einzug und die Eröffnung miterlebt“, erinnert sich der dreifache Vater und resümiert:

„Ich bin hier gerne groß geworden. Besonders spannend war es nach der Wende, denn es ist eine ,neue Stadt‘ hinzugekommen.“ Wendland zeichnete als einer von 200 Köchen von insgesamt 1200 Mitarbeitern in drei Küchen für Speis und Trank an 1900 Plätzen in der Rotisserie, Hallenbar, Cafeteria, Milch-Eis-Mokka-Bar oder der heute noch existenten Zille-Stube verantwortlich. Zirka 600 Liter pikante Soljanka-Suppe und bis zu 700 Mahlzeiten pro Tag wurden im „Alex-Grill“ zu moderaten Preisen in Ostmark verkauft. „Den für Telly Savalas in unserer Patisserie gefertigten Lollipop durfte ich persönlich überreichen“, schildert der Sous-Chef seine kurze Begegnung mit „Kojak“. 

Das Vier-Sterne-Superior Hotel am Alex beschäftigt zurzeit 350 Mitarbeiter. Die Bettenanzahl ist im Wandel der Zeit nahezu ident geblieben. „Nur dass heute keine Betten mehr in L-Form existieren, die sowohl als Einzel- als auch Doppelzimmer zu buchen gewesen sind“, erwähnt Carola Zinke, die seit 40 Jahren als Mitarbeiterin der Gruppenreservierung im Park Inn tätig ist. Sie brachte James Brown die erwünschte Trockenhaube auf das Zimmer, traf Bruce Springsteen und Bryan Adams und begegnete zahlreichen Polit-Größen wie Josip Broz Tito im Jahre 1976. 

Die Arbeit im Park Inn erlaubte einen Blick in die Freiheit. „Wir hatten mit Menschen zu tun, die uns das Leben hinter der Grenze vorstellen ließen, hatten Zugriff auf harte Auslandswährung und gute Beziehungen zu Taxi-Fahrern“, blickt die Hotelfachfrau zurück. Carola Zinke war selbst an der Demonstration am 4. November 1989 am Alexanderplatz dabei, „doch um 14 Uhr musste ich zur Arbeit und bin pflichtbewusst hingegangen“. 

General Manager Jürgen Gangl lenkt die Geschicke des Hauses. Der Erfolg des Hauses sei natürlich mit der Lage am Alexanderplatz mit Blick auf den Fernsehturm verbunden. Doch betriebliche Erfolge könne man nur mit Menschen erzielen, „die hinter der Arbeit stehen und diese große Maschinerie Tag für Tag mit viel Menschlichkeit bewegen“, ist er überzeugt. Wenn Mitarbeiter wie Klaus Wendland oder Carola Zinke sich mit dem Hotel identifizieren und langjährige Erfahrungen einbringen, sorgen sie für Kontinuität, Vertrauen und auch Spaß bei der Arbeit. „Wir alle profitieren von dem guten Betriebsklima. Das spiegelt sich auch an der großen Anzahl unserer Stammgäste wider“, stellt Jürgen Gangl fest. 

Die Gästezimmer wurden bereits Anfang der 90er-Jahre generalsaniert, die Bäder durch bauliche Veränderungen geöffnet, die Fassade wurde im Jahr 2004 mit Spiegelglas-Fenstern neu gestaltet. „Auch in den vergangenen zehn Jahren haben wir laufend und insgesamt alle Zimmer renoviert. In einem Haus dieser Größenordnung ist man nie fertig“, weiß Jürgen Gangl. Insgesamt 100 Millionen Euro sind in dieser Zeit in die Sanierung des Gesamtobjektes geflossen. 

Im kommenden Jahr sollen 16 neue Suiten in der 37. Etage entstehen. Die 25 Jahre alte Lobby, ein beliebter Treffpunkt für Städtereisende, soll luftiger und moderner, der Haupteingang in der Passage vergrößert werden. Auch die Entwicklung mit neu entstehenden Hotels am Alex schreitet voran. „Entweder man liebt den Alex oder man hasst ihn. Für mich ist das Haus an dieser Stelle nach wie vor faszinierend. Die Menschen und die Atmosphäre am Alex, der immer eine Baustelle und in Bewegung sein wird“, beschreibt Jürgen Gangl seine Arbeit in einer 45-jährigen Hotel-Institution im vereinten Berlin. 

Michaela Bavandi

 

64 - Herbst 2015

Spot an für eine Leiche

Der Saisonauftakt vom Improtheater Paternoster wartet gleich mit drei Kriminal-Dinner-Veranstaltungen auf: „Sterne über Berlin“ wird erstmals in der Humboldt-Box am Berliner Schlossplatz gespielt und versetzt das Publikum in die Kabarett-Szene des Berlins der 20er-Jahre, geprägt von wilden Partyexzessen und politischer wie wirtschaftlicher Ungewissheit. „Die Profiler – Mord am Hochzeitstag“ ermitteln in den Britzer Seeterrassen, denn eine fröhliche Hochzeitsfeier findet durch einen plötzlichen Mordfall ein abruptes Ende. Auch wenn niemand weiß, wer der Mörder ist – außer der Mörder selbst. Im Ellington Hotel läuft weiterhin „Spot an für eine Leiche“. Schauplatz der Tat ist passenderweise ein Berliner Hotel, Tummelplatz glamouröser Stars und Sternchen der Filmbranche. Bei allen drei Kriminal-Dinner-Veranstaltungen werden die Gäste zwischen den Menü-Gängen aktiv in das Geschehen einbezogen, jede Show gerät so zum Unikat. 

Das Improtheater Paternoster ist eine Gruppe professioneller Schauspieler und Musiker mit fundierter Ausbildung in verschiedenen künstlerischen Genres, die seit mehr als zehn Jahren gemeinsam Improvisationstheater spielt. Aus den Wünschen, Ideen und Stichworten der Zuschauer entwickeln sie Geschichten aus dem Nichts, Szenen und Songs aus dem Stegreif – schnell improvisiert und mit Komik und Fantasie auf die Bühne gebracht. Das Ensemble kultiviert die verschiedenen Spielformen des Spontantheaters und steht für witzige, spannende und kreative Unterhaltung. Hautnah lassen sich Paternoster jeden Dienstag und Mittwoch in der Berliner Kulturbrauerei erleben. Die denkmalgeschützte Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg ist seit vielen Jahren ihre feste Spielstätte.

Die Spieler haben Impro-Shows für jede Gelegenheit im Repertoire und geben ihr Know-how auch in Workshops und Seminaren weiter.

 

Information

„Der Spielekönig“ jeden Dienstag im frannz Club;
„Dein Held – Deine Geschichte“ jeden Mittwoch im Maschinenhaus;
Preis: 14 €, ermäßigt 10 €, Einlass ab 19:30 Uhr; 
Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin; 
Karten: Tel (030) 69 00 14 11 
karten@improtheater-paternoster.de

 

64 - Herbst 2015
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Graue Eminenz

Beton als Baustoff kommt nicht immer gut an. Für viele Menschen gilt das beliebte Baumaterial als kalt und künstlich, farblos und trist. Aber vielleicht ist gerade dieser Ruf Herausforderung genug für viele Baumeister, sich die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten dieses „künstlichen Steins“ zunutze zu machen und sich an ihnen zu versuchen. Mit dem Ziel, eindrucksvolle Werke zu erschaffen. 

Denn diese Palette von Steingemischen – nichts anderes ist Beton nämlich – gehört, wenn er richtig eingesetzt wird, zu den edelsten Materialien der zeitgenössischen Architektur. Im flüssigen Zustand lässt sich Beton zu erstaunlichen Werken formen, ist flexibel und beständig zugleich. Die Hochwertigkeit von Betonflächen und besonders deren Erhalt ist stark abhängig von fachlicher, handwerklicher, aber auch künstlerischer Expertise und Sorgfalt. Das Zusammenspiel der Rohstoffe, Mischverhältnisse, Farbtongebung und nicht zuletzt der Witterungsbedingungen ist für die spätere Betonqualität und sein Erscheinungsbild maßgeblich. Ein zweibändiges Buch stellt nun die besten Betonbauwerke der letzten Jahre vor.

Information:

100 Contemporary Concrete Buildings, Philip Jodidio

Hardcover, 2 Bände im Schuber,
24,0 x 30,5 cm, 730 Seiten € 39,99

ISBN 978-3-8365-4767-3

(Deutsch, Englisch, Französisch)

64 - Herbst 2015