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20 Jahre Magazin

20 Jahre Berlin vis-à-vis

Für uns Berliner und alle, die es geworden sind, hat sich die Stadt in den letzten 20 Jahren stark verändert. Berlin boomt. Nie waren die Besucherströme so groß wie in diesem Jahr. Schillernd, laut, bunt, lebendig, weltoffen: Die deutsche Hauptstadt ist beliebt, ihre Bewohner nörgeln weniger als früher, sind besser angezogen. Berlin ist aber nicht nur Touristenhotspot und Hochglanzmetropole. Bekanntlich hat jede Großstadt viele Gesichter.

Hauch von Las Vegas - "Stars in Concert" wird 18

Seit September 1997 treten in der Show „Stars in Concert“ Doppelgänger von Musikidolen wie Madonna, Marilyn Monroe, Amy Winehouse, Elvis Presley, Michael Jackson, Robbie Williams und vielen weiteren Showgrößen auf. Das Angebot, „das einen Hauch von Las Vegas nach Berlin bringt“, kommt gut an: Allein in diesem Jahr sahen bisher über 300 000 Besucher eine Show, seit 1997 sind es mehr als fünf Millionen Zuschauer. Das Konzept ist einmalig in Deutschland: Bis ins letzte Detail authentisch bringen die „Stars in Concert“-Künstler ihre Idole auf die Bühne, sodass es selbst Denjenigen, die die Echten kennen, manchmal schwerfällt, Original und Kopie zu unterscheiden.

Passend zum 18. Geburtstag schenkt Produzent Bernhard Kurz seinem Publikum, seinen Künstlern, Musikern und Tänzern eine neue Showbühne. Eine imposante Showtreppe bildet nun das Zentrum der großen und eleganten Bühne; alle Stage-Elemente sind zukünftig rollbar und ermöglichen so ein noch flexibleres Bühnenbild. Seit Oktober erwartet die Zuschauer außerdem ein neuer Act: Erstmals steht mit Helene Fischer ein deutschsprachiger Star auf der Showbühne. Verkörpert wird die Pop-Schlager-Queen von der Australierin Bridie June Davies, die der echten Helene Fischer nicht nur unglaublich ähnlich sieht, sondern auch ihre Hits stimmgewaltig und mit einer mitreißenden Bühnenpräsenz präsentiert.   

Information:

„Stars in Concert“: 9. September bis 30. Dezember im Estrel Festival Center
Mi, Do, Fr und Sa 20.30 Uhr, So 17 Uhr
www.stars-in-concert.de

64 - Herbst 2015

Schöner Parken

Solange es Autos gibt, werden auch Unterbringungsmöglichkeiten für selbige nachgefragt, in den Innenstädten heute mehr denn je. Entsprechend groß fallen Tiefgaragen und Parkhäuser aus und sind, was die architektonischen Anforderungen angeht, nicht zu unterschätzen. Vor allem dann, wenn es darum geht, anspruchsvolle und atmosphärisch gelungene Nutzflächen zu schaffen. Inzwischen gibt es kreative Konzepte, die sich dieses Themas annehmen, zum Beispiel  die Contipark Unternehmensgruppe. In der „Alten Wallgasse“ in Köln wurden von einem alten Parkhaus vier Parkgeschosse abgetragen, auf den verbliebenen 250 Garagenplätzen wird ein Wohngebäude mit 31 Eigentumswohnungen errichtet.

Klaus-Jürgen Jahn, Geschäftsführer der Jahn Baumanagement GmbH in Berlin, hat sich mit seinem Unternehmen aber nicht nur auf die Sanierung von Parkhäusern und Tiefgaragen spezialisiert, sondern empfiehlt, gestalterische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. 

Im Zusammenspiel mit Licht und Farbe können Tiefgarage und Parkhaus Qualitäten entwickeln und erhalten, die heute zum Standard gehören sollten: sauber, sicher und hell müssen sie sein. Breitere Stellplätze und breite Markierungen machen sie ebenfalls benutzerfreundlicher.

Für große Parkhäuser hat Jahn Baumanagement mit ParkAd nun ein neues Produkt entwickelt, mit dem sich nicht nur eine ansprechende Gestaltung für das Parkhaus sicherstellen lässt, sondern zusätzliche Einnahmen generiert werden können: großflächige Parkhauswerbung. Anders als im öffentlichen Raum, der die Menschen mit einer permanenten Reizüberflutung konfrontiert, fällt in einem Parkhaus oder einer Tiefgarage jeder optische Reiz extrem ins Auge. Dieses Alleinstellungsmerkmal sowie die Möglichkeit, die Nutzer der Parkgarage hinsichtlich ihrer Größe und Zusammensetzung relativ genau als Zielgruppe einzugrenzen, machen sich die Parkhausbewerber zunutze: Klaus-Jürgen Jahn erklärt: „In Zeiten, in denen die Werbebudgets immer kleiner und deshalb immer genauer ausgesteuert werden müssen, ist die Zielgruppengenauigkeit und Streuverlustminimierung, die man in einem Parkhaus erreicht, ein großer Vorteil für Werbekunden, darüber hinaus eine gute zusätzliche Einnahmequelle für Parkhausbetreiber und -eigentümer.“   

 

64 - Herbst 2015

„Weissensee“ geht weiter

Die bei Publikum und Kritik gleichermaßen beliebte, hoch geschätzte und auch international erfolgreiche ARD-Serie „Weissensee“ ist noch lange nicht auserzählt. Das sagt die Produzentin Regina Ziegler, und die Zuschauer freut die Botschaft, denn hier handelt es sich um Qualitätsfernsehen, wie wir es uns leider oft vergeblich wünschen. 

Der spannende Stoff rund um die deutsche Teilung und die lang ersehnte Wiedervereinigung wird dank stimmiger, atmosphärisch überzeugender Drehbücher hochspannend erzählt, hervorragend ins Bild gesetzt und von einer Elitetruppe deutscher Schauspieler aus Ost und West ebenso überzeugend wie ergreifend dargestellt. Regina Ziegler und die MDR-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille präsentierten im Kino der „Kulturbrauerei“ die 3. Staffel in Anwesenheit der Schauspieler Florian Lukas, Uwe Kockisch, Ruth Reinecke, Jörg Hartmann, Anna Loos, Katrin Sass, Lisa Wagner u. a. Sie wurde vom 29. September bis zum 1. Oktober in drei Doppelfolgen ausgestrahlt. Aber Regina Ziegler verriet, dass sich die Zuschauer zumindest auf eine 4. Staffel freuen können, da sie sich bereits in Vorbereitung befindet.

Die Erfolgsproduzentin ist durch das vierjährige Krebsleiden ihres Gatten, des Regisseurs, Autors und Produzenten Wolf Gremm, und seinen Tod am 14. Juli deutlich gezeichnet. Sie hat stark abgenommen. Dennoch steckt sie voller Tatendrang. Sie freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Annette Hess und dem Regisseur Friedemann Fromm, für die Volker Herres (Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen) bereits grünes Licht erteilt hat. 

Wie Regina Ziegler sagt, gibt es für sie nur eine einzige Kraftquelle nach dem Tod ihres Mannes: „Arbeit, Arbeit, Arbeit!“ Am Tag nach der Präsentation der 3. Staffel „Weissensee“ in der „Kulturbrauerei“ flog sie mit einem kleinen Kreis enger Freunde nach Mallorca, um die Asche Wolf Gremms dort dem Meer zu übergeben. Sie hatte die ganze Zeremonie vor dem Tod ihres Mannes mit ihm abgesprochen und ein Segelschiff dafür gemietet. „Es wird alles so sein, wie Wolf es sich gewünscht hat“, sagt sie.

Danach wird sie erneut ans Werk gehen, um die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung mit all den ergreifenden Schicksalen von Menschen, die wie auch sie selbst durch tiefes Leid gehen mussten, um irgendwann wieder Licht zu sehen, in wahrhaftiger Weise weiterzuerzählen. 

Gudrun Gloth

 

64 - Herbst 2015
Magazin

Unsere neue Währung wird das Glück sein

Mit der Foto-Community-Idee für Smart-phones sind 2010 in Berlin vier Freunde an Start gegangen. Nur sechs Jahre später sind es 60 Mitarbeiter im Berliner Büro und über 80 Botschafter in der ganzen Welt. Erste Firmen wurden hinzugekauft, erste Festivals veranstaltet und in Amerika das erste Büro eröffnet. Weltweit sind 13 Millionen Fotografen registriert, aus über 150 Ländern. Allein aus Deutschland sind 300 000 Fotografen bei EyeEm aktiv. Im Schnitt werden 60 000 neue Bilder pro Tag hochgeladen und an den Wochenenden über 120 000. Ein irres Wachstum und ein irrer Erfolg, dem Gen Sadakane, einer der Mitbegründer und der Creative Director, mit lächelnder Gelassenheit begegnet: „Klar ist es ein schönes Gefühl, dass viele EyeEm kennen und auch toll finden. Aber diese Zahlen sind nicht so wichtig. Wichtig ist, dass der Informationsinhalt besser wird und die Fotografie. Und dass es gute Fotografen sind, die Spaß haben und nicht nur Selfies machen, also sich oder ihr Essen fotografieren.“ 

Aber was ist ein gutes Foto? Echte Menschen, echte Gefühle sind gefragt. In allen Bereichen und aus allen Bereichen. Es ist ein anderer Markt. Ein neuer Markt. „Businessfotografien, wo sich alle adrett die Hand geben, sind nicht mehr zeitgemäß. Und ein gutes Foto hat nichts mit dem Apparat zu tun, es kann mit jedem Medium fotografiert werden. Heute ist man näher dran, oft auch wirklich mit der Handykamera. Wenn man mit dem Handy fotografiert, bewegt man sich anders als mit einer großen Kamera und die Leute sich ebenfalls. Es geht um den Moment und die Komposition Und darum, was es mit dir macht. Es geht um die Frage, wie bekommt man in einem Bild schnell etwas ganz einfach kommuniziert und jeder versteht, was gemeint ist.“ Gen Sadakane muss es wissen. In seinem früheren Leben in der Werbebranche hat er mit seinen Foto-Ideen für die Werbung bereits in Cannes mehrere Löwen abgeräumt.
Er wurde in Düsseldorf geboren, hat „Visuelle Kommunikation“ studiert und ist nun halt Unternehmer. Aber auch das ist ihm nicht so wichtig. „Mir macht das Spaß, was ich mache, ob das nun Unternehmer heißt, ist egal.“ 

Und trotzdem bleibt die Frage: Wie wird man heute Unternehmer? „Nicht so viel Caffè Macchiato trinken und quatschen. Man muss passioniert sein und einfach anfangen und machen. Dann ist man schon sehr weit vorne“, sagt er. Unternehmer zu sein, hat für ihn aber auch viel mit verbotenen Dingen zu tun. Seine Schule war die Graffiti-Kunst. Dort hat er alles gelernt über Farben, aber auch was die Effektivität und das Marketing angeht. Wer könnte kommen, muss ich leise sein, wie viel Zeit und Ressourcen habe ich eigentlich? „Was nutzt mir das Malen unter einer Brücke, wenn da eh keiner langkommt? Wo also platziere ich mich, wo ist der Ort, der hoch frequentiert ist? Aber wo mehr Leute sind, ist auch weniger Zeit. Wie bekomme ich also mein Bild in kürzester Zeit schön hin? So muss man auch in einem Unternehmen denken.“

Teil der Philosophie von EyeEm ist, dass alle das Gefühl haben sollen, dass sie an etwas Großem mitwirken. Aber das Gefühl ist nicht nur ein Gefühl. Die mediale Revolution ist in vollem Gange und EyeEm ein Teil davon. Das fängt schon bei der Sprache an. Auf der Plattform wird niemand wie sonst üblich „User“ genannt. „User“ ist in meinen Augen anonym und nicht würdig. Es sind Fotografen, und sie sollen auch als solche benannt werden“ – ist nur einer der neuen Ansätze von Gen Sadakane. Ein anderer ist, dass man auf EyeEm die Gelegenheit hat, besser zu werden und dazu Visualität bekommt. „Ich glaube, jeder möchte irgendwie auf eine Art berühmt sein und wenn wir dabei helfen können, ist das schön.“

Manche der Fotografen auf der EyeEm-Plattform haben heute mehrere 100 000 Follower und bekommen täglich unzählige Likes für ihre Fotografien. Und doch reicht das nicht mehr. „Die neue Währung auf unserem Markt wird das Glück sein, das Glück – ich habe ein Bild verkauft.“ Deshalb gibt es Fotowettbewerbe und -ausschreibungen von Firmen, und das ist einer der Gründe, warum sich EyeEm für einen eigenen authentischen Online-Marktplatz entschieden hat. Natürlich will EyeEm selbst auch Geld verdienen. Das sichert die Nachhaltigkeit und den Bestand des Unternehmens. Unabhängig sein, auch wenn sie die besten Geldgeber der Welt haben. „Es ist unser Baby, das gibt man nicht einfach ab, da achtet man darauf, welche Babysitter ran dürfen.“ Dafür arbeiten Gen Sadakane und seine Freunde mit dem ganzen Team gern rund um die Uhr und rund um den Globus. Das „EyeEm Photography Festival & Awards“ fand in diesem Jahr zum Beispiel in New York City statt. Aber auch das wird für Gen Sadakane nicht vordergründig sein.

Sein erstes eigenes gutes Foto auf EyeEm war übrigens ein orangefarbener Stuhl im Treppenaufgang des alten CIO Gebäudes, dem Postfuhramt. Wenn er nur eine Frage hätte, wäre die: Was war Ihres?   

Barbara Sommerer

64 - Herbst 2015

Traumziel erreicht

Mit der neuen Wohnung im Szenebezirk Prenzlauer Berg nahe am Kollwitzplatz ist ein großes Problem gelöst. „Berlin ist so eine Traumstadt, da kündigen sich immer wieder Freunde, Verwandte, die Eltern oder Geschwister an, um mal zu kommen. Jetzt haben wir ein großes Zimmer mehr – da ist das Übernachten kein Problem mehr“, schildert Frida Tegstedt mit Blick auf das schöne Altbau-Zuhause in einer Gegend mit ungezählten Gaststätten, Kneipen und Cafés.

Und die Bekannten der beiden Füchse-Profis sind zahlreich. „Meine Eltern waren schon zu mehreren Spielen hier, meine Schwester auch“, fügt ihr Freund Jesper Nielsen hinzu. Seine Schwester hat früher genauso Handball gespielt wie Bruder und Schwester von Frida. Auch gegenseitig besuchen die beiden ihre Auftritte in den verschiedenen Berliner Hallen. Dabei ist es für Frida leichter, ihren zwei Meter großen Freund im überschaubaren Publikum der Füchse-Frauen zu sehen. „Bei den Männern ist das schwierig, aber Jesper muss immer wissen, wo ich sitze. Einmal hat er das nicht gleich mitgekriegt und im Spiel immer suchend auf die Ränge geschaut“, verrät Frida, die wie ihr Freund auf der Position in der Kreismitte spielt.

Ein Pärchen sind die 28 Jahre alte Göteborgerin und der zwei Jahre jüngere Hüne aus Norrköping schon seit acht Jahren. „Es hat gleich gefunkt“, erinnert sich Frida an das erste Treffen der beiden Nordländer mit den leuchtend blauen Augen bei den Junioren-Meisterschaften, als Jesper noch für HP Warta spielte und sie für IK Sävehof auflief, zu dem er danach wechselte. Das passierte aber nicht nur der Liebe wegen, der Göteborger Verein ist im schwedischen Handball das Maß aller Dinge, und Jesper Nielsen war mittlerweile ein begehrter Mann am Kreis. „Dabei war das früher gar nicht meine Position. Aber für den Rückraum war ich auf Dauer wohl zu langsam“, gibt der Blondschopf zu.

Nach vier erfolgreichen Jahren in Göteborg erreichte Nielsen der Lockruf von den Füchsen. „Das war ein Traum. Ich habe schon als kleiner Junge zu meinem Vater gesagt, dass ich einmal in der Bundesliga spielen werde.“ Damals allerdings noch unter anderen Voraussetzungen. Denn Jesper gehörte als Jugendlicher zu den besten Tischtennisspielern seines Landes und war in allen Altersklassen unter den Top 12. „Ja, das stimmt. Und da war Düsseldorf die Mannschaft, von der ich träumte. Aber dann bin ich für Tischtennis zu groß und zu schwer geworden. Der Traum von der Bundesliga blieb, nur ging er in Handball über.“

Das ist nicht verwunderlich, denn anfangs konnte sich Nielsen in der Heimat nicht vom Handball ernähren. Was auch an der Medienpräsenz liegt. „Da kommt erst Zlatan Ibrahimovic, dann Fußball, dann wieder Zlatan, dann Eishockey und dann nach dem Wintersport auch der Handball“, klagt Jesper. „Ich habe deshalb zu hundert Prozent gearbeitet, und erst nach Feierabend trainiert“, erinnert er sich an die Anfänge, als er in einer Reinigungsfirma angestellt war und zusätzlich noch ein Jahr als Betreuer in einer Kindereinrichtung jobbte. „Ich mag Kinder und kann gut mit ihnen“, sagt er und erntet einen Seitenblick seiner Freundin. „Nein, nein, nicht falsch vestehen. Wir haben damit noch Zeit. Jetzt steht der Handball an. Hochzeit, ja vielleicht, aber für die Kinder haben wir dann noch ein ganzes Leben Zeit“, wiegelt Frida ab. Während Jesper neben dem Handball rackerte, hat sie alle möglichen Sportarten ausprobiert. „Fußball, Tennis, Golf – ich habe mich in allem versucht. Doch seit ich 15 bin, spiele ich nur noch Handball. Anfangs im Tor, das wundert mich heute noch.“ Nebenbei hat Frida ihr Studium der Architektur abgeschlossen und ein Fernstudium der Literatur begonnen. Man muss ja auch an die Zeit nach dem Sport denken, wobei die Schwedin ihr erstes Jahr als Profi in Deutschland genoss. „Berlin ist so eine tolle Stadt, da habe ich immer was zu tun. Nicht nur Shoppen oder in eines der vielen Cafés gehen, auch die Stadt kennenlernen, Museen anschauen – das mag ich sehr.“

Und so genießen die beiden ihre Zweisamkeit in Deutschland, an der Jesper seit seinem Wechsel zu den Füchsen feilte. „Wir haben geschaut, wo Frida spielen könnte. Es kam aber nur erste Liga infrage wegen der Nationalmannschaft. Frankfurt hatte sich gerade finanziell abgemeldet, Leipzig war zu weit. Zum Glück sind die Füchsinnen aufgestiegen, das passte wunderbar“, schwärmt Jesper und nimmt seine Freundin in den Arm. Mit der deutschen Sprache freundeten sich beide schnell an. „Ich hatte das ja schon in der Schule, du ja auch“, nickt er Frida zu. „Aber ich glaube, ich war darin der Schlechteste an der ganzen Schule.“

Als sehr passend empfinden die beiden, dass in ihren Mannschaften weitere Schweden spielen. „Wir quatschen viel“, umschreibt Frida ihr Verhältnis zu Daniela Gustin, was im Verein finanziell folgenlos ist. Jesper hat hier so seine Probleme im Umgang mit den Landsleuten Fredrik Petersen und Mattias Zachrisson. „Es kommt vor, dass ich in die Kabine komme und einen der beiden als ers-
ten sehe. Da fange ich natürlich an, was auf Schwedisch zu sagen.“ Das aber ist bei der strengen Hierarchie im Team verboten – Amtssprache ist Deutsch. Und weil Kassenwart Silvio Heinevetter überall lauert, ist Jesper mehr Zehn-Euro-Scheine für diese Vergehen los, als ihm lieb ist.

Doch nicht nur mit den Landsleuten, mit der ganzen Mannschaft finden die Schweden guten Draht. „Man trifft sich ja als Sportler immer mal wieder“, wissen beide. So hat Jesper Nielsen schon in Sävehof ein Jahr mit Kent Robin Tönnesen das Göteborger Trikot getragen. Und weil er mit dem Norweger dort eine Fahrgemeinschaft bildete, setzt man das in Berlin fort. „Wir haben früher schon mal 50 Meter entfernt gewohnt, jetzt ist es nicht viel mehr. Das hat den Vorteil, dass Frida mit unserem Auto zum Training fahren kann. Ich habe dafür ja Taxi-Tönnesen, was der aber gar nicht gerne hört“, lacht Nielsen und räumt eine Sache aus der Welt, die sich für Schweden so hartnäckig hält wie die Symbiose zwischen Holländern und Campingwagen. „Dass ich manchmal zu IKEA gehe, nur um Köttbullar zu essen, ist Quatsch. Bei uns gibt es das manchmal, weil es schnell geht und trotzdem schmeckt. Aber süchtig nach diesen kleinen Hackfleischbällchen bin ich nun wirklich nicht.“ 

Hans-Christian Moritz

 

64 - Herbst 2015
Sport