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Beste Aussichten an der Rudower Chaussee

Lebensqualität trifft Hochtechnologie: Die neuen Ansiedlungen entlang der Rudower Chaussee zeigen beeindruckend, wie sich Adlershof im Berliner Südosten kontinuierlich weiterentwickelt.

Alle Projekte, die an diesem Standort entwickelt wurden beziehungsweise sich noch in der Entwicklung befinden, erhöhen die Attraktivität der Straße, schaffen Synergien und steigern so die urbane Lebensquali-tät vor Ort. Nur eins von vielen Beispielen – das neue Europa-Center-Projekt, ein Büro- und Geschäftshaus am Forum, im Herzen von Adlershof. Schon bald wird das historische Gebäudeensemble durch elegante Architektur ergänzt, die den Bedürfnissen anspruchsvoller Mieter von Büro- und Serviceflächen gerecht wird. Hier lebt der Fortschritt: Berlin-Adlershof im Bezirk Treptow-Köpenick hat als einer der wichtigsten Standorte für Hochtechnologie von sich reden gemacht. Adlershof genießt den Ruf, Deutschlands modernstes Gründer- und Technologiezentrum sowie  Berlins wichtigster Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort zu sein. Die Entfaltung eines solchen Stadtteils ist ein ständiger Prozess des Wandels und des Wachsens. Und es tut sich viel am wirtschaftlich prosperierenden Standort -Adlershof. Neue Projekte, teils bereits fertig, teils in Ausführung oder Planung, lassen immer mehr Stadtqualität entstehen, speziell entlang der Rudower Chaussee. Die Magistrale ist ein bedeutender Teil der historischen Straßenverbindung vom westlichen Rudow zur Adlershofer Dörpfeldstraße im Nordosten.

Wer die Entwicklung unserer Städte und Stadtteile als fortwährenden Ausdruck gesellschaftlichen Wandels begreift, wird an der aktuellen Entfaltung der Rudower Chaussee seine Freude haben. Arbeiten, Wohnen und Leben bestehen idealerweise in guter Balance neben-einander. Darauf haben die Adlers-hof Projekt GmbH als städtebaulicher Entwicklungsträger und Treuhänder des Landes Berlin sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auch an der Rudower Chaussee stets Wert gelegt. So beleben Restaurants und Geschäfte die Erdgeschosszonen der Bürohäuser. Dazu gibt es in unmittelbarer Nähe Wohnraum für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Zum Beispiel entstehen im Projekt „Medienfenster“ 153 Mikroapartments, die schon mit Beginn des Wintersemesters 2016/2017 von Studenten bezogen werden. 

Ganz aktuell haben sich zwei große Namen für die Ansiedlung an jeweils einem Ende der langen Chaussee entschieden: Die Zusammenlegung der Dienstorte des Landeslabors Berlin- Brandenburg (LLBB) bündelt die hohe Analytik-Kompetenz beider Bundesländer nun an einem Platz. Und der Versicherungskonzern Allianz verlegt seinen Berliner Unternehmenssitz nach Adlers-hof. 2019 wird der Konzern in einen modernen Neubau in die Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien einziehen. Und es gibt weitere Neuigkeiten: Die Haupteinkaufsquelle am Standort, das durch zeitlose Architektur gekennzeichnete „Adlershofer Tor“, ein Büro- und Geschäftshaus mit Handelsflächen, bekommt in diesem Jahr mit einer neuen Fassade ein attraktives Facelifting. Schräg gegenüber, hinter dem Eichenwäldchen am S-Bahnhof gelegen, entsteht der Bürokomplex „Nubis“. Auf einer Gesamtmietfläche von 17 400 Quadratmetern soll Büroraum individuell und flexibel gestaltet werden. Erstbezug ist voraussichtlich im dritten Quartal 2017. Auch das Büro- und Geschäftshaus „Air Campus Adlershof“ ist im ersten Bauabschnitt bereits fertiggestellt und erfolgreich vermietet. Jetzt folgen der zweite und dritte Bauabschnitt mit weiteren hochwertigen und flexiblen Angeboten für Unternehmen.

Mit dem „CrossmediaCenter“ an der Franz-Ehrlich-Straße entsteht ein interdisziplinäres Dienstleistungszentrum für die verschiedensten Print- und Onlinemedien. Sein Nachbar ist das Berliner Unternehmen „System 180“, das Ende letzten Jahres nach Adlershof gezogen ist. Das Unternehmen erdenkt und produziert ein markantes Stahlrohrsystem, das in den Bereichen Messe- und Ausstellungsbau sowie Design und Möbelbau eingesetzt wird.

Am westlichen Ende der Rudower Chaussee, in der Nähe des künftigen Landeslabors Berlin-Brandenburg, gibt es sichtbaren Fortschritt im „Oktogon“, dem Campus für Gewerbe und Technologie. Das erste Gebäude ist bereits komplett bezogen, das zweite ist im Bau, und der Startschuss für den Bau des dritten Gebäudes erfolgt im Frühjahr. Der weit über die A 113 hinaus sichtbare, markante Auslieferungsturm des 2012 eröffneten „Audi Zentrums Berlin Adlershof“ in der Nähe der Autobahn-Ausfahrt ist ein bekannter Blickfang. Nun hat sich mit dem „Porsche Vertriebszentrum“ eine weitere renommierte Marke für den Standort entschieden: An der Kreuzung zur Herrmann-Dorner-Allee ist bereits ein 25 Meter hoher Solarpylon zu sehen, der Strom für eine Elektro-Tankstelle liefert. Die Eröffnung des Vertriebszentrums ist im Frühjahr 2017 geplant.

In der weiteren westlichen Verlängerung der Rudower Chaussee, dem Eisenhutweg, entsteht direkt am Landschaftspark das soziale Quartier „VivaCity Adlershof“. Diverse Dienstleistungen und Kooperationen begleiten die Arbeit des Johanniter-Pflegeheims. Direkte Nachbarn im Projekt sind ein Kindergarten sowie 120 Wohnungen einer Wohnungsbaugenossenschaft und ein Geschäftshaus mit Supermarkt. Die Fertigstellung der „VivaCity Adlershof“ wird 2018 erwartet.

Zurück zum östlichen Ende der Rudower Chaussee: An der Kreuzung Dörp-feldstraße und Adlergestell vollzieht sich ein Brückenschlag zwischen Alt- und Neu-Adlershof. Der Komplex „Dörp-feld Eins“ bietet rund 170 Wohnungen und einen Bio-Supermarkt.

Die beste Nachricht kommt zum Schluss: Ein besonders attraktives Baufeld in prominenter Lage, direkt am S-Bahnhof Adlershof, kommt in diesem Jahr an den Markt. Es ist ideal für einen repräsentativen Firmensitz oder eine Konzernzentrale. Städtebaulich markant, mit einer punktuellen Bebauungshöhe von bis zu 54 Metern, soll hier ein imposantes Eingangstor zur Wissenschaftsstadt entstehen. 

Edith Döhring

 

65 - Winter 2016
Stadt

Wir sind etwas ganz besonderes

Der isländische Handballtrainer Erlingur Richardsson kommt von den Westmännerinseln. Ihnen fühlt er sich auf spezielle Weise verbunden, ein Vulkanausabruch zwang die Bewohner 1973 zur Flucht. Sein Vertrag bei den Füchsen läuft noch bis mindestens 2018.

Scheinbar regungslos verfolgt Erlingur Richardsson die Aktionen seiner Tochter Sandra. Er zieht höchstens einmal mit einem flüchtigen Lächeln beifällig die Augenbrauen hoch oder verzieht bei einem misslungenen Pass leicht den Mundwinkel. „Ich bin nicht der Trainer, der immer rumschreit“, begründet der 43-Jährige seine Zurückhaltung. Da sind seine Söhne Elmar und Andri völlig anders. Die acht- und elfjährigen Jungen jubeln und springen auf, wenn ihrer 17 Jahre alten Schwester ein Tor gelingt und die Füchse Berlin in der Handball-Bundesliga der Frauen die Oberhand behalten. Wenn nicht, schnappen sich die beiden nach der Partie trotzdem sofort einen Ball und feuern ihn mit dem Fuß abwechselnd aufs Tor, während Mutter Vigdis die Verliererin tröstet.

Umgekehrt sind die Aktionen weniger öffentlich und nur die beiden fußballernden Jungen auf dem Parkett zu sehen, wenn die von Erlingur Richardsson trainierten Profis der Füchse-Männer eine Partie beendet haben. Doch in der gewaltigen Kulisse von oft 9 000 Zuschauern auf den Rängen der Max-Schmeling-Halle fallen Sandra Erlingsdottir und ihre Mutter nicht so sehr auf wie unter der eher kargen Besucherschaft in der Frauen-Bundesliga.

Die Familie ist unzertrennlich und unternimmt, wenn es irgendwie möglich ist, das meiste gemeinsam. Das ist in ganz Island so und noch spezieller auf den dem nördlichen Land vorgelagerten Westmännerinseln. Von deren Bewohnern sagen die Leute auf dem Haupteiland, dass sie gar keine richtigen Isländer wären. Aber jene 4 200 Leute ficht das überhaupt nicht an. „Wir sind etwas ganz Besonderes“, sagt Erlingur Richardsson schelmisch. „Meine Heimat ist nicht Island, meine Heimat ist Vestmannaeyjar. Und darauf bin ich wirklich stolz.“ Diese besondere Liebe zu ihrem kleinen Fleckchen Land hat eine Bewandtnis, mit der Erlingur Richardsson in ganz spezieller Weise verbunden ist. Als in einer kalten Nacht am 23. Januar 1973 auf der Hauptinsel Heimaey – hier wohnen so gut wie alle Einwohner Vestmannaeyjars – der Vulkan Eidvell ausbrach, schien das Ende des kleinen Eilandes besiegelt. „Ich war damals erst vier, fünf Monate alt und kenne das nur aus den Erzählungen. Es muss aber schlimm gewesen sein, wie die feurige Lavamasse sich wochenlang in extrem langsamer Geschwindigkeit über die Insel rollte und ein Haus nach dem anderen unter sich begrub, zerquetschte und verbrannte“, schildert der 43-Jährige aus den Berichten der Bewohner.

Erlingurs Vater, der wie seine Vorfahren Fischer war, rettete seine Familie auf das eigene Boot, die Mutter half vielen anderen an Bord. Der kleine Erlingur und ein gleichaltriger Cousin wurden in einer Tragetasche in die Kajüte gestellt. Immer mehr Leute kamen an Deck, schwitzten im Gedränge und warfen ihre Sachen nach und nach in die Kajüte. „Als meine Mutter nach mir sah, war ich weg. Unter dem ganzen Zeug fand sie mich gerade noch rechtzeitig, völlig verschwitzt und durchnässt, aber ich atmete noch“, schildert der Isländer heute die Rettung vor den Lavamassen.

Ein Ereignis, das die Menschen von Vestmannaeyjar zusammengeschweißt hat. „Bei uns gibt es zwei Zeitrechnungen. Eine endet mit dem Vulkanausbruch, die andere beginnt danach.“ Dazwischen liegen ganze fünf Monate, denn so lange drohte die permanent nachfließende Lava den Hafen zu verschließen und die Inseln damit unbewohnbar zu machen. Erst ständige Kühlung durch eisiges Meerwasser aus gigantischen Schläuchen brachte die Feuerwalze kurz vor der Pier zum Stehen. 417 Häuser waren vernichtet und das Eiland 20 Prozent größer geworden. „Diese unglaublich ruhig verlaufene und lange währende Rettungsaktion, bei der nur ein Feuerwehrmann ums Leben kam, hat die Bewohner zusammengeschweißt und macht auch heute noch alle stolz, die auf Vestmannaeyjar geboren sind“, sagt Erlingur. Nach einem Jahr in einer Rot-Kreuz-Wohnung in Kopavogur, einer Satellitenstadt der Metropole Reykjavik, kehrte die Familie wie alle anderen Einwohner zurück auf die im Süden vorgelagerte Insel. Der Neuaufbau verlief anders als bei anderen Naturkatastrophen, weil die Lava im westlichen Teil der Heimat eine schwarze, unzerstörbare Bahn, härter als eine Betonsträhne, gezogen hatte, die heute noch als mahnendes Monument teilweise nur Zentimeter neben verschonten Häusern und Gärten zu sehen ist. Jeder Isländer will irgendwann einmal aufs Festland nach Europa, aber jeder Isländer kommt auch wieder in die Heimat zurück, ganz speziell gilt das für die Bewohner der Westmännerinseln. Und für Erlingur Richardsson und seine Familie ist jetzt Europa dran. Was nicht heißt, dass alle Gewohnheiten der Heimat vorübergehend ad acta gelegt werden. „Als Kinder haben wir jeden Tag Fisch gegessen, hier essen wir mindestens zweimal in der Woche Fisch. Leider ist der frische sehr teuer.“ Deswegen greift man schon mal auf Konserven aus der Heimat zurück. Und auf den sonntags üblichen Lammbraten ist seine Familie auch nicht mehr abonniert. „Das war bei uns Kult“, erinnert er sich. „Und dazu gab es, nur am Sonntag, für meine zwei Schwestern, meine drei Brüder und mich einen Liter Cola. Ich bin der Zweitjüngste und musste mich da ordentlich ranhalten, genug abzubekommen.“

Mit einigen Gewohnheiten der Mitteleuropäer kommt vor allem seine Frau Vigdis mittlerweile gut zurecht. Da es bei gebürtigen Isländern keine Nachnamen gibt und man sich nur mit dem Vornamen anredet, kann seine Vigdis Sigurdbogadottir – dem Vornamen wird der Name des Vaters, in dem Fall Sigurdboga, plus „son“ (für Sohn) oder „dottir“ (für Tochter) angehängt – auch nicht so heißen wie ihr Mann. Trotzdem reagiert die 44-Jährige mittlerweile, wenn sie als Frau Richardsson angesprochen wird. „Man richtet sich ein, obwohl es in Island leichter ist. Wenn ich mich irgendwo vorstelle, dann sage ich: Ich heiße Erlingur und komme von Vestmannaeyjar. 

Dann weiß jeder Bescheid.“ Irgendwann wird sich die Familie auch wieder so vorstellen, doch derweil lebt sie in Berlin den Traum eines jeden isländischen Sportlers. „Weil man bei uns vom Sport nicht sein Leben finanzieren kann, träumt jeder davon, das einmal in Europa zu verwirklichen. Und ich kann das jetzt machen“, sagt der Handballtrainer glücklich. Sowohl als Spieler als auch während seiner Trainerarbeit bei den   besten Vereinen Islands musste Erlingur Richardsson einer zweiten Arbeit nachgehen, um die Familie zu ernähren. Zuerst versuchte er sich als Fischer auf dem Boot des Schwiegervaters, hatte aber von Beginn an mit Seekrankheit zu kämpfen. „Meine Frau ist eindeutig die bessere Fischerin.“ So wurde abends trainiert, tagsüber hielt der studierte Sportwissenschaftler Vorlesungen an der Universität. Das war nichts Außergewöhnliches, weil die Aktiven aller anderen Sportarten das auch taten. Erst mit seinem Wechsel vom damaligen isländischen Handball-Meister HK Kopavogur zum österreichischen Spitzenverein Westwien konnte er sich als Profitrainer bezeichnen.

In dieser Zeit haben seine Kinder auch so gut Deutsch gelernt, dass Erlingur meint, man könne sie für Einheimische halten. Das ist in Berlin allerdings schwer vorstellbar. Als in der Schule der Jungs eine Lehrerin aus Bayern auftauchte und die anderen Kinder vor schwere Prüfungen bei der Verständigung stellte, freuten sich Elmar und Andri: „Endlich mal eine Frau, die richtig Deutsch kann.“ Der österreichische Akzent der drei Kinder ist unüberhörbar und spielt nur bei Sandra keine Rolle. Die 17-Jährige macht ihren gymnasialen Abschluss per Internet an einer isländischen Schule.

Für Erlingur und seine Familie war es die größte Verblüffung, dass der Sportunterricht an den Schulen in Österreich und Deutschland nur eine untergeordnete Rolle spielt. „Das ist bei uns mit das wichtigste Schulfach. Die Lehrer müssen eine Hochschulausbildung als Sportlehrer haben“, sagt Erlingur. Mit fünf Fußballfeldern – eines davon überdacht und mit Kunstrasen – drei Handballhallen, einem Golfplatz und einer Schwimmhalle, in die alle Kinder bis 12 Jahre ständig freien Eintritt haben, setzt Vestmannaeyjar Maßstäbe. „Wir sind nur 4 200 Einwohner, spielen aber bei den Männern und Frauen sowohl im Handball als auch im Fußball in der ersten Liga.“

Weil der deutsche Sportunterricht den Kindern längst nicht ausreicht, toben sich Elmar und Andri mit Vorliebe an den Basketballkörben oder Tischtennisplatten auf den Freiplätzen nahe der elterlichen Wohnung im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg aus, spielen dazu Handball bei den Jung-Füchsen und Fußball bei Empor Berlin. Und Sandra ist als jüngste Spielerin mit Training und Punktspielen des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin ausgelastet. 

Der Vertrag von Erlingur läuft noch bis mindestens 2018. „Es ist spannend, in der Bundesliga zu arbeiten“, sagt er. „Die Hallen sind riesig, es kommen unheimlich viele Zuschauer, das Niveau ist insgesamt das beste in der ganzen Welt“, schwört er auf die hiesige Handball-Meisterschaft. Dass die Isländer als Lehrer hier besonders begehrt sind, führt er aber nicht auf den speziellen Stil der Insulaner zurück. „Das würde ich anders sehen. In der Ausbildung sind andere Länder, beispielsweise Kroatien, bestimmt besser“, überlegt er. „Aber wir Isländer sind es gewohnt, in kleinen Vereinen mit wenig Geld und meistens winzigem Kader zu arbeiten. Da musst du immer wieder Lösungen finden und dafür viel improvisieren. Ich glaube, das ist es, was uns bei der Arbeit auf dem Festland zugute kommt.“

Bei den Bewohnern der Westmännerinseln kommen  dazu noch deren Zusammengehörigkeitsgefühl und der sprichwörtliche Kampfgeist. „Zu uns ist keine Mannschaft gern gekommen. Die haben immer gesagt, wir spielen wie die Gladiatoren, weil wir nie aufgegeben haben“, schildert der ehemalige Kreisläufer, der als Jugendlicher auch ein ausgezeichneter Fußballer war, die Spielweise auf seinem Heimat-Eiland. Derzeit steht der Verein auf Platz 3 in Island, und der einstige Spieler und Trainer des Ex-Pokalsiegers und ehemaligen Meisters wird das noch einige Zeit aus der Ferne verfolgen müssen. „Es sei denn, ich muss dann auch mal an die Karriere meiner Frau denken“. Vigdis ist hoch qualifiziert, derzeit mangelt es ihr nur an den Sprachkenntnissen. Dafür geht sie mehrmals die Woche auf eine Sprachschule, während ihr Mann sein Deutsch durch die vielen Fachsimpeleien mit seinem Sportlichen Leiter Volker Zerbe vervollkommnet.

Hans-Christian Moritz

 

65 - Winter 2016
Sport

Himmel mit Berlin

Das Upper West am Breitscheidplatz wird mit 119 Metern Höhe und 33 Etagen ein Gebäudeensemble mit dem benachbarten Zoofenster bilden. Architekt für den städtebaulichen Entwurf und die Fassadenplanung ist Christoph Langhof, von KSP Jürgen Engel Architekten stammt der Entwurf des Hochhauses. [Foto: Berlin-vis-à-vis]

Berlin ist keine klassische Hochhausstadt. Mit ihrer gründerzeitlichen Blockrandbebauung ist die Hauptstadt in großen Teilen flach, überschaubar und europäisch. Ein Citystädtebau nach amerikanischem Vorbild war historisch nicht möglich und und auch nicht erforderlich.Bald aber muss der Himmel mit Berlin rechnen. Denn der Wind hat sich gedreht, es gibt neue Hochhauspläne. 

Stadt

Stars im Wettbewerb

Bei der 66. Berlinale werden vom 11. bis 21. Februar mehr als 400 Filme gezeigt. Berühmte Namen versprechen die Wettbewerbsfilme. Wann gibt es im Kino schon Beifall, gar Szenenapplaus und eine popcornfreie Zone? Die Stimmung bei der Berlinale ist immer eine ganz besondere. Fast jeder Film ist eine Premiere, zu sehen auf riesigen  Leinwänden im Berlinale Palast, in der Urania, im Friedrichstadtpalast; die Schauspieler sind mit ihren eigenen Stimmen zu hören. George Clooney spricht wirklich und nicht seine Synchronstimme. Und wo kommt man so schnell mit wildfremden Leuten ins Gespräch? Das sind scheinbare Nebensächlichkeiten, aber sie machen dieses Festival für jeden Besucher auf gewisse Weise sinnlich. Also auf – zu den 66. Internationalen Filmfestspielen. Den Vorsitz des Gremiums, das über Bärengewinner entscheidet, hat Meryl Streep. Sie als Jury-Vorsitzende gewonnen zu haben, darauf sind die Veranstalter  stolz. Für welche Gewinner werden sich die Filmexperten entscheiden? Für den Eröffnungsfilm der Brüder Coen „Hail, Caesar!“ schon mal nicht. Diese Geschichte über das goldene Zeitalter Hollywoods läuft außer Konkurrenz, bringt aber vermutlich ein gewaltiges Staraufkommen auf den roten Teppich. Es spielen unter anderem George Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson und Tilda Swinton. Der Film kommt übrigens noch während der Berlinale ins reguläre Kino (18.2.).

Einer, der es gleich mit seinem Debütfilm in den Wettbewerb geschafft hat, ist Michael Grandage mit „Genius“. Colin Firth spielt an der Seite von Jude Law und Nicole Kidman. Der Film erzählt von dem genialen Herausgeber Max Perkins, der Hemingway und F. Scott Fitzgerald den Weg in die Berühmtheit ebnete. Nun will er dieses auch für den Schriftsteller Thomas Wolfe tun, doch das gestaltet sich schwierig.

Ein internationales Team hat sich an Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ versucht, unter anderem mit Daniel Brühl und Emma Thompson. Ebenfalls Bezug zu einer literarischen Vorlage weist Danis Tanovics „Death in Sarajevo“ auf. Grundlage ist der Text des französischen Philosophen Henry Levy anlässlich des 100. Jahrestages des Attentats von Sarajevo. Dies verspricht ein ebenso interessantes wie auch andersartiges Experiment zu werden. Der Film „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“, für den der Regisseur 2013 einen Silbernen Bären bekam, zeichnete das Leben einer bosnischen Familie, die vom Schrottsammeln lebt, dokumentarisch auf. Der Protagonist Nazif Mujic bekam einen Bären als bester Hauptdarsteller, beantragte mit seiner Familie Asyl in Deutschland, wurde aber abgelehnt und abgeschoben.

Sicher ist der Wettbewerb das Kernstück des Festivals, aber eine wunderbare Besonderheit der Berlinale ist auch, dass sie Überblicksreihen bietet. Zum Beispiel von Michael Ballhaus: 2016 erhält er den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk und als Hommage gibt es zehn Filme von ihm am Stück.

Das Jahr 1966 stellt für die DDR und die Bundesrepublik einen filmischen Wendepunkt dar. Im Westen traten die Autorenfilmer auf den Plan, die entgegen dem „Heile-Welt-Kino“ Widersprüche in der Gesellschaft thematisierten. Im Osten wollten dies einige Regisseure auch tun. Das wusste die Zensur zu verhindern,  die die Hälfte einer Filmjahresproduktion in den Giftschrank verbannte. Eine Retrospektive bringt die Filme dieses spannenden Kinojahres nach einem halben Jahrhundert nun auf die Leinwand. Und schließlich wären da noch die vielen Filme aus den diversen Sektionen wie dem Panorama, Forum oder den Berlinale Shorts, die es  wirklich nur auf der Berlinale zu sehen gibt.                       

Martina Krüger

 

65 - Winter 2016
Magazin

Tänzerin der Ekstase

Sie steht für ungewöhnliche Expressivität und Radikalität im Ausdruckstanz, aber auch exemplarisch für das hedonistische Lebensgefühl in den Zwanzigerjahren, das sie am Ende zerstörte: Anita Berber.  

Wenn auch im heutigen Berlin mitunter die Zwanzigerjahre beschworen oder gar Parallelen bemüht werden, so bietet unsere Zeit wenig Vergleichbares. Denn das Berlin der sogenannten Goldenen Zwanziger erzeugte zwar einerseits ein Lebensgefühl, das dem Tempo der wachsenden Großstadt entsprang, andererseits aber war es zum Zentrum der Avantgarde auf allen Gebieten der Kunst avanciert. Eine unbändige Energie und Kreativität erfasste die Künstler in der Stadt und diejenigen, die es nach dem Ersten Weltkrieg in die alles verheißende neue Kunst- und Amüsiermetropole Berlin gezogen hatte. So, neben vielen Literaten, Malern und Schauspielern, auch junge Tänzerinnen wie Josephine Baker oder Anita Berber, die in den einschlägigen Theatern, Varietés und Tanzlokalen mit spektakulären Choreografien für Aufsehen sorgten. Während Josephine Baker, das erste schwarze Sexsymbol, noch heute in unserem kollektiven Bewusstsein präsent ist und als die „Mutter aller Tänzerinnen“ betitelt wird, muss der Name Anita Berber erst nachgeschlagen werden. Dabei war sie es, die als erste Tänzerin den Exhibitionismus des Tingeltangels aufbrach, und den Ausdruckstanz, wenn es ihn bis dahin überhaupt gegeben hat, in radikaler Weise geradezu revolutionierte. Für die damaligen Besucher des „Wintergartens“, „Wiener Apollo-Theaters“ oder „Metropol-Varietés“, wo sie ab 1920 auftrat, war sie allerdings in erster Linie die angesagte Nackttänzerin. Ihre Choreographien faszinierten und erregten die Zuschauer derart, dass sie schnell in aller Munde war und zu einer Art Symbolfigur wurde. Für eine Zeit, in der die Krisen der Weimarer Republik ein hedonistisches Lebensgefühl aufkommen ließen und der „Tanz auf dem Vulkan“ Zügellosigkeit und Vergnügungssucht gebar. Im Tanz der Berber schien dies den adäquaten künstlerischen Ausdruck gefunden zu haben: betörend-zügellos, lasziv-erotisch, bis hin zur hemmungslosen Ekstase. Das faszinierte auch Künstler wie Otto Dix, der Anita Berber 1925 porträtierte. Zu diesem Zeitpunkt war die einst schöne Frau mit knabenhaft-schlankem Körper allerdings bereits äußerlich durch Alkohol, Drogen und ein ungezügeltes Liebesleben gezeichnet und ihr Gesicht zur Maske erstarrt. Unter anderen hatte sie der Tänzer, Choreograph und Dichter Sebastian Droste, mit dem sie ab 1920 eine Zeit lang auftrat, auf einen unheilvollen Weg geführt. Drogen bestimmten ihr Leben und ihre Auftritte von da an mit. 

Das hielt indes kaum einen Veranstalter davon ab, sie zu engagieren. Denn die verrucht-berüchtigte Nackttänzerin war sicherer Garant für ausverkaufte Amüsierclubs, Kabaretts, Theater und Vergnügungsetablissements jeglicher Art, nicht nur in Berlin. Auch die Filmindustrie entdeckte früh das Potenzial der außergewöhnlichen Tänzerin und machte sie zum Stummfilmstar. Sie spielte und tanzte in zahlreichen Filmen, wie dem „Dreimäderlhaus“, „Die Prostitution“ oder „Das Tagebuch einer Verlorenen“, ebenso in Fritz Langs „Dr. Mabuse, der Spieler“. Auf Dauer hielt ihr ausschweifend-freizügiger, in jeder Hinsicht grenzüberschreitender und extravaganter Lebensstil mit ihrem künstlerischen Anspruch, ihren radikalen Choreographien, ihrem Spiel mit der Erotik nicht Schritt. An Tuberkulose erkrankt, brach sie auf einer Tournee zusammen und wurde zurück nach Berlin gebracht. Am 10. November 1928 starb sie im Bethanien-Krankenhaus. 

Mit ihrer Familie 1914 nach Berlin gekommen, war das Leben dieser hoch talentierten Tänzerin von kurzer Dauer. Dass sie als „Stil-Ikone eine ganze Ära inspirierte“ lässt sich heute leicht behaupten, marginal wiederentdeckt wurde sie freilich erst in den 1980er-Jahren. Zu lange hatte ein Zerrbild dieser unkonventionellen Künstlerin Bestand. Autor und Kenner Lothar Fischer gehört zu denen, die die Bedeutung Anita Berbers als Künstlerin erkannt haben, mit dem Anspruch, sie angemessen zu würdigen: „Mehr als 85 Jahre nach ihrem Tod erregt diese Frau immer noch viele Gemüter. Anita Berber war mehr als nur eine zeittypische Figur. Sie war eine Rebellin, die den Mut hatte, Tänze nach der Musik von Beethoven, Chopin, Liszt und Brahms mit einer seriösen Choreographie in der Unterwelt des Tanzes aufzuführen.“

Reinhard Wahren

 

Information

Lothar Fischer: „Anita Berber – Ein getanztes Leben“. 
Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2014.
ISBN 978-3-930388-85-1

 

 

 

 

 

65 - Winter 2016

Golfen auf der Bananeninsel

Früher war, touristisch betrachtet, am Drago Millenario final en los terrenos: Ende im Gelände. Der älteste und berühmteste Drachenbaum Teneriffas und zugleich der ganzen Welt, der zwar nicht, wie sein Name besagt, tausend, aber immerhin an die 600 Jahresringe zählt, dieses Prachtexemplar eines Drago, am Rande der romantischen Altstadt von Icod de los Vinos, zählte immer schon zu den „must see“-Attraktionen auf Teneriffa. 

Aber das war‘s dann auch. Noch weiter in den abgelegenen Nordwesten der Insel, die sogenannte Isla Baja, verirrte sich nur selten ein Touristenbus. Allenfalls ein paar Wanderer, Backpacker der anspruchsvolleren Art, wagten sich gar bis Buenavista del Norte, den westlichsten Ort Teneriffas, um von dort aus den Parque Rural de Teno im zerklüfteten, geologisch ältesten Gebirge der Insel zu erkunden. Buenavista – schöne Aussicht, aber touristisch nahezu ein „No-Go“. 

Bis Severiano Ballesteros kam. Im Auftrag privater Inves-toren schuf Spaniens Golf-Heroe – knapp zehn Jahre vor seinem viel zu frühen Tod 2011 – hier, im strukturschwächsten, entlegensten Zipfel der Insel sein Meisterstück als Golfplatz-Designer, auf einer ehemaligen Bananenplantage direkt oberhalb der Felsküste. Dem Namen und der spektakulären Lage des Platzes ist es geschuldet, dass Buenavista Golf seit Eröffnung im Herbst 2003 zu den besten Golfplätzen ganz Spaniens gezählt und sogar mit dem berühmten Pebble Beach an Kaliforniens Küste ver-glichen wird. Vier Bahnen führen unmittelbar zum Klippenrand, und wie auf keinem anderen Platz der Insel spürt man unbändige Naturgewalt, wenn die Brandung gegen die schwarzen Felsen trifft und die Gischt nicht selten die Konzentration beim Putten durch eine erfrischende Dusche unterbricht. 

Trotz aller herausragenden Qualitäten ist Buenavista Golf bis dato von den acht 18-Loch-Golfplätzen Teneriffas derjenige, auf dem es – wegen der Abgeschiedenheit und der großen Entfernung zu den touristischen Ballungszentren im Süden der Insel – am leichtesten ist, auch kurzfristig nahezu jede gewünschte Startzeit zu buchen. Das wird sich vermutlich bald ändern, wenn endlich die seit Langem im Bau befindliche, tunnelreiche Schnellstraße fertig wird, die künftig die abenteuerliche gebirgige Serpentinenstrecke zwischen Icod de los Vinos und der Südwestküste bei Guia de Isora ablösen soll. 

Dort, im Ritz-Carlton Abama, dem führenden Luxus-Golfresort Teneriffas, haben Golfdirektor Victor Saez und sein Team ganz andere Sorgen. In den gut zehn Jahren seit der Eröffnung im Herbst 2005 schreibt das vom in Marbella lebenden bolivianischen Star-Architekten Melvin Villaroel entworfene Abama eine solche Erfolgsgeschichte, dass man der stetig wachsenden Golfer-Klientel kaum noch Herr wird. Der extrem hohe Promifaktor – unzählige Sport-, Show- und Polit-Stars von Franz Beckenbauer über Heiner Lauterbach bis Ex-US-Präsident Bill Clinton haben neben dem in bester Panorama-Lage hoch über der Küste gelegenen Clubhaus schon genüsslich abgeschlagen – tut ein Übriges, um die magnetische Wirkung des Edel-Resorts zu verstärken. Obwohl Hotelgäste, je nach Saison, für eine Golfrunde – inklusive obligatorischem GPS-Buggy – zwischen 95 und 135 Euro berappen müssen und für Externe ein Abschreckungs-Greenfee von 200 Euro aufgerufen wird, sind Startzeiten oft nur mit langfristiger Voranmeldung zu bekommen. Ginge es nach den Eigentümern des Abama, hätte das Luxusresort spätes-tens in zwei, drei Jahren einen zweiten Championship-Golfplatz. Und was die spanische Polanco-Familie will, das bekommt sie in aller Regel auch. Ihr gehört neben etlichen Luxushotels der größte Medienkonzern des Landes, zu dem unter anderem die Tageszeitung El Pais, die Sportzeitung Diario As sowie etliche Radiosender zählen. 70 Hektar an den bestehenden Golfplatz angrenzendes Gelände zu erwerben, ist für den Branchenriesen eigentlich ein Kinderspiel.

Doch hier geht es um Bananen. Die 160 Hektar Land, auf denen heute das terrakottafarbene, im maurisch anmutenden Stil erbaute Traumhotel inmitten einer weitläufigen subtropischen Gartenanlage steht und wo sich der Golfplatz mit Höhenunterschieden von stolzen 235 Metern bergauf und bergab windet, waren früher Teil einer riesigen Bananenplantage. Der spätestens durch den Verkauf mehr als wohlhabend gewordene Plantagenbesitzer weiß sehr genau, dass seit Jahren die Zahl der Golftouristen auf den Kanaren um gut zehn Prozent per anno wächst und das Abama Resort dringend expandieren muss. Auf wundersame Weise verteuert sich die Platano Canario, von der auf ganz Teneriffa auf riesigen Anbauflächen rund 130 000 Tonnen jährlich produziert werden, an den Hängen von Guia de Isora daher in letzter Zeit deutlich stärker als irgendwo sonst auf Teneriffa. 

Wann im Tauziehen um den Kaufpreis für die 70 Hektar Bananenterrassen endlich „alles Banane“ ist, mag Victor Saez nicht vorherzusagen. Immerhin hat er die Hoffnung, dass die Bagger in knapp zwei Jahren anrollen und die ers-ten Golfer auf dem Abama 2 im Jahr 2020 abschlagen können. Ein paar Jahre später als ursprünglich geplant. Auch, wer der Designer des neuen Kurses sein wird, bleibt noch ein Geheimnis. „Aber der neue Platz“, verrät der Golfdirektor, „wird sicher dem von Dave Thomas geschaffenen bestehenden Kurs ähneln, weil das Terrain, auf dem er gebaut wird, die gleiche Hanglage hat.“ Schon das ist ein Versprechen großer Sinnesfreude – von allen Spielbahnen genießt man einen berauschenden Blick über grüne Hänge voller Bananen und Palmen auf den Atlantik und hinüber zur fast immer von einem schneeweißen Wolkenkranz gezierten Nachbarinsel La Gomera. 

Auf die zweitkleinste der sieben Kanarischen Inseln kommt man praktisch nur mit dem Fred Olsen Express. Das Tragflächenboot braucht 35 Minuten für die Überfahrt von Los Cristianos de Tenerife zur kleinen Inselhauptstadt San Sebastian de la Gomera. Noch einmal so viel Zeit sollte man einplanen für die serpentinenreiche Fahrtstrecke zum Tecina Golf Resort, tief im Süden der gebirgigen Insel, die sich ganz dem sanften Tourismus verschrieben hat. 

Das Resort: ein 4-Sterne-Hoteldorf inmitten eines zauberhaften botanischen Gartens direkt am Rand der 80 Meter senkrecht aus dem Meer aufragenden Steilküste. Kein Abama im Kleinformat, aber urgemütlich und mit allem nötigen Komfort, vor allem aber eine wahre Oase der Ruhe und Abgeschiedenheit. Der Golfplatz, geschaffen vom Amerikaner Donald Steel: ein weltweites Unikat. Mit dem Golfbuggy geht es gut zwei Kilometer und stolze 175 Höhenmeter nach oben zum ersten Abschlag – und dann nahezu 18 Bahnen lang im Zickzack-Kurs nach unten, den Terrassen der ehemaligen Bananenplantage (was sonst?) folgend, pausenlos mit einem geradezu surrealen Panoramablick auf die dunkelblaue Weite des Ozeans und, gen Osten, auf den über 3 700 Meter hohen, fast pyramidenartig aus dem Dunst aufragenden schneebedeckten Gipfel des Vulkans Pico del Teide auf Teneriffa. 

Nur zweimal wird das faszinierende, weltweit vermutlich einmalige Serpentinen-Spiel unterbrochen: Bei Loch 4 zielt der Drive steil bergab Richtung Meer, als solle der Ball direkt in der Brandung landen; und an der 10, einem spektakulären Par 3, visiert man wie von einer hohen Kanzel herab ein 50 Meter tiefer gelegenes Grün an – da kann das Eisen kaum kurz genug sein! Und Vorsicht auch bei den unterschiedlich breiten ehemaligen Bananen-Terrassen an dem stark geneigten Hang: vor allzu sorglosen Griffen zum Driver oder langen Fairway-Hölzern sei ausdrücklich gewarnt! 

Wer auf Teneriffa früh aus den Federn kommt und gegen 9 Uhr früh in Los Cristianos die erste Fähre nimmt, kann, rein zeitlich gesehen, den Golftrip nach La Gomera als Tagesausflug schaffen. Aber er wird es bereuen, nicht für mehrere Tage und Golfrunden geblieben zu sein.

Tecina auf La Gomera ist, so man die Kanaren als Teil oder Vorposten des Alten Kontinents ansehen mag, der südwestlichste Golfplatz Europas. Und die meisten, die ihn gespielt haben, belegen ihn mit weiteren ehrenvollen Superlativen. Unvergesslich ist er allemal.

Wolfgang Weber

 

65 - Winter 2016