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Heilanstalt aus Baumwipfelperspektive

Dass man über einem „Alpenhaus“ spazieren kann und dazu noch im flachen Brandenburg – wer hätte das gedacht. Nun ja, die Alpen sind hier kleine Hügelchen, aufgeschüttet mit dem Aushub für das Fundament des Hauses – spektakulärer ist der Spazierweg. In 23 Metern Höhe wandelt man zwischen Bäumen und blickt, wären sie noch da, direkt in Zimmer der Patientinnen der Lungenheilanstalt oder später in Unterkünfte der Verletzten der beiden Weltkriege und noch später in die der sowjetischen Offiziere und Soldaten, die von 1945 bis 1993 hier behandelt wurden. 

Heute zieren Graffiti die Zimmer der Ruine, einige der Künstler haben gar ihre Sprayflaschen auf den Fenstersimsen entsorgt. Auf einem Nebengebäude ist schon ein kräftiger Wald entstanden – in 70 Jahren wächst so einiges heran. Der Baumwipfelpfad in Beelitz bietet neben dem Kick, in ungewohnter Höhe zu wandeln, quasi einen direkten Blick in die Vergangenheit der Beelitzer Lungenheilstätten. Deshalb trägt der Baumkronenpfad auch den Zusatztitel „Baum & Zeit“. Schön, dass man  die heutigen Ruinen nicht geputzt hat, dass man die Inschriften auf Russisch – wie „Eingang“ , „Ausgang“ – noch lesen kann, auch neuere Hinterlassenschaften wie der Gruß der Antifa Wittenberge oder der Hinweis, dass hier guter Ort für Sex sei, sind noch nicht übertüncht. Sicher wird das im Laufe des Ausbaus des Baumwipfelpfades noch kommen. Noch ist es diese eigenwillige Mischung von 115 Jahren Geschichte, die den Reiz dieses besonderen Spazierweges ausmacht, der wahrlich nur Sinn ergibt, wenn man die ganze Anlage im Blick hat. Schauen wir noch einmal ins „Alpenhaus“, so um 1900 herum. Tuberkulose war eine der schlimmsten Krankheiten jener Zeit, hochansteckend, es gab keine Medikamente. Die Therapie: Ruhe, Licht, Luft, gutes Essen und Sauberkeit. Die Zimmer, mit zwei bis sechs Patientinnen belegt, waren groß. Über einen Frischluftschacht wurde permanent die gute Beelitzer Waldluft zugeführt, überdies gehörten sechs Stunden Liegen im Freien zur Therapie. Und eine beispielhafte Reinlichkeit herrschte. Die Ecken der Scheuerleisten waren abgerundet, damit auch jedes Fitzelchen Staub beim Wischen erwischt werden konnte. Sogar die Heizkörper waren von den Wänden abklappbar. Es herrschte überdies eiserne Disziplin. Gegessen wurde gemeinsam unter Aufsicht von mindestens zwei Krankenschwestern. Was auf den Teller kam, wurde aufgegessen und nicht etwa heimlich in die Tasche gesteckt. Damit man den Verwandten, die zu Besuch kamen, nichts von dem Guten mitgeben konnte. Sechs Wochen bis zu einem halben Jahr blieben die Patientinnen. Doch bei den oft katastrophalen Bedingungen zu Hause kriegten sie oft nach kurzer Zeit schon wieder die Motten, wie es salopp heißt und das klang immerhin besser als Schwindsucht. Das Alpenhaus, hier im ehemaligen Frauentrakt der Heilstätten als Ruine, ist übrigens im ehemaligen Männertrakt, der heute zum Klinikkonzern gehört, baugleich wiederhergestellt. Auch die Lüftungsschächte kann man noch sehen. Eine wohl einmalige Situation – Ruine und intaktes Gebäude auf einen Blick. Und vom Baumwipfelpfad hat man die gesamte Anlage vor Augen, erkennt ihre Dimensionen, die ausgeklügelte Architektur. Die damaligen Architekten und Planer haben Pionierarbeit geleistet. Zu ihnen gehörte auch Heino Schmieden, der mit Walter Gropius eine der größten Architektenfirmen in Berlin bildete. Beide bauten das Kunstgewerbemuseum Berlin, heute als Martin-Gropius-Bau bekannt. Aber Krankenhäuser waren wohl Schmiedens Leidenschaft, so zeichnet er architektonisch für das Krankenhaus Friedrichshain, die Frauenklink der Charité und das Rudolf-Virchow-Kinderkrankenhaus verantwortlich. Eines der Kennzeichen seiner Arbeiten ist, dass er zwischen den einzelnen Gebäudeteilen Raum für kleine Spaziergänge ließ. Und so ist es auch in Beelitz, wo er neben einem Klinikgebäude die Wäscherei und das technologisch perfekte Kochhaus entworfen hat. Letzteres soll, wie kann es anders sein, zum Restaurant ausgebaut werden. Noch ist der Baumwipfelpfad nur 320 Meter lang und man muss hinabsteigen, um das Klinikgelände zu erkunden, doch es ist geplant, zukünftig mehr Gebäude aus luftiger Höhe betrachten zu können. Was im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal eine andere Perspektive bietet. Beginnen soll der hölzerne Höhenweg später einmal an der Chirurgie, einem spektakulären Gebäude. Um 1925 war die Röntgendiagnostik ein wichtigen Helfer und man konnte der Tbc mit Skalpell den Kampf ansagen. Auch bei diesem OP-Trakt legte man auf funktionale und schöne Architektur Wert. In den OP-Sälen konnte bei Tageslicht operiert werden und die Balkone für die frisch Operierten waren ausgesprochen großzügig mit Blick auf den Beelitzer Wald. Dass es mit der Rekonstruktion ein schweres Unterfangen wird, ist zu ahnen, wenn man in das Gebäude blickt. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee stand es leer und ungeschützt und wurde beliebter Treffpunkt für sogenannte Horror-Partys, die oft auch mit Zerstörungswut einhergingen und man schon mal versuchte, mit einen Bagger in die Location zu fahren. 2010 stürzte gar ein junger Mann vom Dach. 

Aber die neuen Besitzer des Areals sind zuversichtlich, dass sie auch dieses Gebäude wieder in einen vernünftigen Zustand versetzen können, wobei sie versprochen haben, dass der Hauch des morbiden Charmes bleiben wird.  Ganz abgesehen vom Blick in die Historie unter einem bietet sich vom 36 Meter hohen Aussichtspunkt ein atemberaubendes Panorama der Weiten des Waldes um Beelitz.

Martina Krüger 

 

Information

Baum & Zeit
Straße nach Fichtenwalde 15
14547 Beelitz-Heilstätten
www.baumundzeit.de

Öffnungszeiten: 
Mai bis September: 9 – 19 Uhr
April und Oktober: 9 – 17:30 Uhr
November bis März: 10 – 16 Uhr

 

65 - Winter 2016

Berlin-Macher

Dass Berlin dazu verdammt ist, immerfort zu werden und niemals zu sein, wusste schon im Jahr 1910 der Publizist und Kunstkritiker Karl Scheffler. Ein oft zitierter Satz, der noch heute gilt. Umso mehr sind Menschen gefragt, die vor oder hinter den Kulissen etwas bewegen und die Stadt ein Stück voranbringen. Wir stellen sie in jeder Ausgabe vor, die Berlin-Macher. Diesmal Jenny de la Torre.

Sie ist die Ärztin der Ärmsten der Armen in Berlin, und das schon viele Jahre lang. Seit 1994 versorgt Jenny de la Torre Obdachlose medizinisch. Erst am Ostbahnhof, jetzt im Gesundheitszentrum in der Pflugstraße in Mitte. Mit ihrer Arbeit setzt sie Maßstäbe in der Obdachlosenbetreuung für ganz Deutschland. Die Liste der Preise und Auszeichnungen, die sie erhalten hat, ist lang. Und dennoch: Am liebsten würde sie sich abschaffen. Das wird ihr allerdings nicht gelingen. Im Gegenteil, ihr Engagement ist wichtiger denn je. Und so wird sie wohl bleiben, was sie für ihre Patienten ist: der Engel von Berlin.

Die Geschichte beginnt 1954 in Peru, wo Jenny de la Torre in Nazca im Februar das Licht der Welt erblickt. Sie wächst in dem kleinen Dorf Puquio auf und erfährt bereits als Kind, was Armut bedeutet: „Ich habe in meinem Land einiges gesehen“, erinnert sie sich an die Menschen, die keine Krankenversicherung haben und sich keinen Arzt leisten können. „Da ist bei mir der Wunsch entstanden, Ärztin zu werden.“ 1973 beginnt de la Torre ihr Medizinstudium an der Universität San Luis Gonzaga de Ica. Ab 1977 studiert sie mit einem Stipendium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und legt dort 1982 ihr Examen ab. Kurz darauf kehrt sie nach Peru zurück, um dort als Ärztin zu arbeiten. Doch ihr Abschluss wird in ihrer Heimat nicht anerkannt: „Die Bürokratie in Peru ist noch schlimmer als in Deutschland“, so ihre Worte.

So beendet die Peruanerin nach der Geburt ihres Sohnes 1986 in Deutschland ihre Ausbildung und promoviert 1990 als Dr. med. mit summa cum laude. Zwischenzeitlich beendet sie auch ihre Facharztausbildung als Kinderchirurgin. Ein neuerlicher Versuch, in Peru als Ärztin zu arbeiten, scheitert erneut an bürokratischen Hürden, so dass sie sich entschließt, in Deutschland zu bleiben. Zunächst geht sie 1991 einer Beratungstätigkeit für „Schwangere und Mütter in Not“ nach, bevor 1994 ihre beispiellose Karriere als Ärztin für Obdachlose am Ostbahnhof beginnt. „Der Raum war zwölf Quadratmeter groß, ohne Fenster, im Keller“, erinnert sie sich, „vier Jahre habe ich dort gearbeitet.“ Schon bald ist de la Torre in ganz Berlin und darüber hinaus bekannt. Und die ersten Auszeichnungen und Preise lassen auch nicht lange auf sich warten. 1997 erhält sie das Bundesverdienstkreuz und wird Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt. 1998 ergeht ein Lehrauftrag als Gastdozentin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité. 2002 wird ihr die Goldene Henne verliehen. 2011 bekommt sie den Charity-Award, 2013 die Louise-Schroeder-Medaille. Und 2015 hat sie den Deutschen Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und den Carola-Gold-Preis für gesundheitliche Chancengleichheit erhalten.

Trotz ihres Erfolges muss die Armenärztin auch Rückschläge einstecken. Die MUT Gesellschaft für Gesundheit mbH, Trägerin der Obdachlosenversorgung am Ostbahnhof, kürzt 2003 mit einer Änderungskündigung ihre Vollzeitstelle auf 25 Stunden. Dadurch sieht sie ihre Patienten gefährdet und akzeptiert die Kündigung nicht – und geht. Ihre eigene Stiftung, die sie mit dem Preisgeld der Goldenen Henne in Höhe von 25 000 Euro und einer Ausnahmegenehmigung 2002 gegründet hat, soll fortan die Basis für ihre Arbeit sein.

„Manchmal geschehen auch Zeichen und Wunder“, bemerkt die heute 61-Jährige und blickt zurück auf das Jahr 2004, in dem ihr der Bezirk Mitte ein Haus in der Pflugstraße anbietet und erst einmal mietfrei überlässt. Der Ausbau zum Gesundheitszentrum beginnt, mit der Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer, wie sie betont. Vier Jahre später kann die De la Torre-Stiftung das Haus kaufen und tut es auch. „Damit ist das Haus unabhängig und kann nicht zum Spielball von Sparzwängen einer Verwaltung werden“, begründet sie den Schritt, der mit eigenen Mitteln und Spenden finanziert wird.

Seitdem ist das Haus zu einer festen Einrichtung für Obdachlose geworden. „Wir haben jährlich im Schnitt 500 Neupatienten, die die Angebote unseres Hauses nutzen“, berichtet de la Torre. Neben den Allgemeinmedizinern gibt es Internisten, Zahn- und Augenärzte, Hautärzte, Orthopäden, eine Psychologin, zwei Sozialarbeiterinnen, vier Rechtsanwälte und eine Friseurin. „Wir versuchen, so viel wie möglich anzubieten“, sagt sie stolz, um aber gleich das eigentliche Ziel ihrer Arbeit zu beschreiben: „Wir wollen jeden Patienten so schnell wie möglich wieder loswerden. Das bedeutet, dass er weg von der Straße kommt.“

Die Ärztin sieht ihre Aufgabe nämlich darin, ihren Patienten mittel- und langfristig zu helfen und eine Perspektive zu bieten. „Man darf niemanden aufgeben, muss aber manchmal auch hart und konsequent sein“, weiß sie aus langjähriger Erfahrung. Und: „Es ist anders geworden“, sagt de la Torre. Mittlerweile gebe es viele „normale“ Menschen, die keine Krankenversicherung mehr hätten: „Professoren, Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte. Wir hatten auch einen Piloten.“ Außerdem habe der Anteil der Jüngeren und Älteren zugenommen, die zu ihr kämen. Auch immer mehr psychisch Kranke gebe es.

Manche, die ins Gesundheitszentrum kommen, haben sich seit Wochen und Monaten nicht mehr gewaschen, ihre Kleidung ewig nicht ausgezogen, so dass die Strümpfe schon angewachsen sind, und beherbergen Maden, Kopf- und Filzläuse. Da stellt sich einem zwangsläufig die Frage: Wie hält man das aus – Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr?

„An manchen Tagen kann ich glücklich nach Hause gehen“, resümiert de la Torre. Denn manchmal kämen ehemalige Patienten vorbei und sagten: „Ich habe es geschafft.“ Das heißt, sie sind nicht mehr obdachlos und wieder in die Gesellschaft integriert. „Das sind die schönsten Momente.“ In diesem Sinne würde sie sich das für jeden ihrer Patienten wünschen. Aber sie ist Realistin genug zu wissen, dass sie das wohl nicht mehr erleben wird.

So hofft die Armenärztin, dass sie noch lange die Kraft und Zeit hat, sich um ihre Patienten zu kümmern, und vor allem, dass sie auch weiterhin ausreichend Spenden bekommt: „Eigentlich darf es in einer reichen Gesellschaft dieses Problem gar nicht geben.“ Eigentlich.

Detlef Untermann

65 - Winter 2016

eat! mit Berliner Energie

Es den Feinschmeckern oder denen, die es werden wollen, mit einem Festival recht zu machen, ist in Berlin nicht einfach. Scheinbar gibt es hier schon alles, von der Gourmetcurrywurstbude bis hin zum Sternerestaurant, vom rent a cook bis hin zur gelieferten vegetarischen Kochbox. Und doch hat ein Festival Jahr für Jahr nicht nur überzeugt, sondern immer noch etwas obendrauf gesetzt – die eat! berlin.

Newcomer und Kultwirte

Das diesjährige Programm zeigt wieder einmal, was Berlin als Gourmetstadt ausmacht. Es gibt Veranstaltungen an ungewöhnlichen und spannenden Orten. Newcomer und Kultwirte, Topwinzer, Sterne- und Fernsehköche zeigen ihr Können und werden Statements setzen. Es gibt Seminare und den Nachwuchsköche-Preis, eine Gourmet-Kiez-Sause, eine Neueröffnung und einen echten Männerabend. Events zum Thema Süße und Kräuter, der Ball der Gastronomen und der Abend mit „5 Filmen und 5 Gängen“ runden das Programm ab. 

Zu den Programmhöhepunkten 2016 gehört ohne Zweifel das Vorhaben Sebastian Franks. Der Österreicher, der erst 2010 nach Berlin kam, ist mittlerweile Inhaber des Restaurants Horváth, Zwei-Sterne-Koch und Koch des Jahres. Anlässlich der aktuellen Entwicklungen auf der Welt nimmt er Horváths Roman „Jugend ohne Gott“ zum Anlass für einen literatur-kulinarischen Abend. Unterstützt wird er dabei durch Roman Steger und Martin Wall vom Restaurant Speisekammer aus Wien. Die in diesem Kriminalroman behandelten Themen Ausgrenzung, Rassismus, Denunziantentum und Heuchelei sind nach wie vor top-aktuell. Die Landschaften im Buch inspirierten Sebastian Müller zum Menü des Abends (2. März).

Zu den spannenden Locations des   Festivals zählt neben den Floralen Welten das Schmelzwerk. In dem Herzstück der ehemaligen Schokoladenfabrik Sarotti findet, neben einem Genuss-Abend und einem vegetarischen Abend mit der Schauspielerin Marion Kracht, das dreitägige Kochevent „Kreuzberg kocht“ statt. Hier werden wahre Stars der Berliner Szene zu treffen sein. Markus Herbicht, Herbert Beltle und Thomas Kurt zum Beispiel. Diese erstklassige Besetzung an den verschiedensten Essstationen wird die Auswahl des Genusses sicher schwer machen (4.–6. März).

Die meisten Köche, die man aus dem Fernsehen kennt, trifft man in diesem Jahr auf dem Fernsehturm. Den Willkommensgruß dazu bereitet Kolja Kleeberg höchstpersönlich am Fuße des Turms in seinem Foodtruck zu (3. März).

Felicitas Then wird in der Weinschule Berlin zu sehen sein. Die Siegerin der „Taste-Show“ widmet dort jeden Gang einem aktuellen Kochtrend (5. März)

Den einzigen Backkurs des eat! berlin Festivals gibt die amerikanische Back-Queen Cynthia Barcomi. Sie ist die berühmteste Cheesecake-Bäckerin und erstmalig dabei (29. Februar)

Als Gegenpart dazu ist sicherlich der echte Männerabend „Meat The Chef“ interessant, den Wolfgang Müller im „Cooks Connection“ veranstaltet. Seit 2009 gibt er dem Thema Fleisch seine ganze Aufmerksamkeit und züchtet sogar eigene Sattelschafe und Yaks. Beim Braten in der Pfanne wird sicherlich die eine oder andere Geschichte rund um die Männerwelt auf den Tisch kommen (4. März).

Geschichten erzählen kann auch Hans-Peter Wodarz. Seit mehr als 40 Jahren widmet er sein Leben und Können der Ente und ist schlechthin der „Ententainer“. Deshalb wird er im „Café des Artistes“ nicht nur mit prominenter Unterstützung kochen, sondern auch legendäre Anekdoten zum Besten geben (29. Februar).

Natürlich ist das nur eine kleine feine Auswahl der Events, die bei der eat! berlin stattfinden. Und trotz der Vielfalt ein Tipp vorweg: Da die Anzahl der Plätze für die einzelnen Veranstaltungen begrenzt ist, ist es ratsam, sich schnell die Tickets über die Webseite des Festivals zu sichern. Aber es gibt auch Veranstaltungen, bei denen es einfacher ist und die vor Ort bezahlt werden können. Bei den „Berliner Käsetagen“ in der Arminiusmarkthalle in Moabit zum Beispiel (27./28. Februar)

Man kann jetzt schon sagen, dass es Bernhard Moser und seinem Team wieder gelungen ist, einzigartige Events für Berlin zu kreieren. Darüber hinaus ist ihm wichtig, im Sinne der Nachhaltigkeit Verantwortung zu übernehmen. So sind in diesem Jahr mit Unterstützung der Gasag Fahrzeuge im Einsatz, die mit Bio-Erdgas betrieben werden. Damit fahren diese kostengünstig und CO2-neutral. Die Gasag, die übrigens nicht nur Gas-, sondern auch ein Stromlieferant ist, will Energie geben. Und das ist ganz wörtlich gemeint. Unternehmenschefin Vera Gäde-Butzlaff: „Deshalb engagiert sich das Traditionsunternehmen Berlins da, wo es um Kreativität und Vielfalt in der Stadt geht.“

 

Information

eat! Berlin vom 26. Februar bis zum 6. März 2016
Alle Informationen, Veranstaltungstermine
und Tickets unter www.eat-berlin-festival.de

 

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Beste Aussichten an der Rudower Chaussee

Lebensqualität trifft Hochtechnologie: Die neuen Ansiedlungen entlang der Rudower Chaussee zeigen beeindruckend, wie sich Adlershof im Berliner Südosten kontinuierlich weiterentwickelt.

Alle Projekte, die an diesem Standort entwickelt wurden beziehungsweise sich noch in der Entwicklung befinden, erhöhen die Attraktivität der Straße, schaffen Synergien und steigern so die urbane Lebensquali-tät vor Ort. Nur eins von vielen Beispielen – das neue Europa-Center-Projekt, ein Büro- und Geschäftshaus am Forum, im Herzen von Adlershof. Schon bald wird das historische Gebäudeensemble durch elegante Architektur ergänzt, die den Bedürfnissen anspruchsvoller Mieter von Büro- und Serviceflächen gerecht wird. Hier lebt der Fortschritt: Berlin-Adlershof im Bezirk Treptow-Köpenick hat als einer der wichtigsten Standorte für Hochtechnologie von sich reden gemacht. Adlershof genießt den Ruf, Deutschlands modernstes Gründer- und Technologiezentrum sowie  Berlins wichtigster Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort zu sein. Die Entfaltung eines solchen Stadtteils ist ein ständiger Prozess des Wandels und des Wachsens. Und es tut sich viel am wirtschaftlich prosperierenden Standort -Adlershof. Neue Projekte, teils bereits fertig, teils in Ausführung oder Planung, lassen immer mehr Stadtqualität entstehen, speziell entlang der Rudower Chaussee. Die Magistrale ist ein bedeutender Teil der historischen Straßenverbindung vom westlichen Rudow zur Adlershofer Dörpfeldstraße im Nordosten.

Wer die Entwicklung unserer Städte und Stadtteile als fortwährenden Ausdruck gesellschaftlichen Wandels begreift, wird an der aktuellen Entfaltung der Rudower Chaussee seine Freude haben. Arbeiten, Wohnen und Leben bestehen idealerweise in guter Balance neben-einander. Darauf haben die Adlers-hof Projekt GmbH als städtebaulicher Entwicklungsträger und Treuhänder des Landes Berlin sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auch an der Rudower Chaussee stets Wert gelegt. So beleben Restaurants und Geschäfte die Erdgeschosszonen der Bürohäuser. Dazu gibt es in unmittelbarer Nähe Wohnraum für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Zum Beispiel entstehen im Projekt „Medienfenster“ 153 Mikroapartments, die schon mit Beginn des Wintersemesters 2016/2017 von Studenten bezogen werden. 

Ganz aktuell haben sich zwei große Namen für die Ansiedlung an jeweils einem Ende der langen Chaussee entschieden: Die Zusammenlegung der Dienstorte des Landeslabors Berlin- Brandenburg (LLBB) bündelt die hohe Analytik-Kompetenz beider Bundesländer nun an einem Platz. Und der Versicherungskonzern Allianz verlegt seinen Berliner Unternehmenssitz nach Adlers-hof. 2019 wird der Konzern in einen modernen Neubau in die Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien einziehen. Und es gibt weitere Neuigkeiten: Die Haupteinkaufsquelle am Standort, das durch zeitlose Architektur gekennzeichnete „Adlershofer Tor“, ein Büro- und Geschäftshaus mit Handelsflächen, bekommt in diesem Jahr mit einer neuen Fassade ein attraktives Facelifting. Schräg gegenüber, hinter dem Eichenwäldchen am S-Bahnhof gelegen, entsteht der Bürokomplex „Nubis“. Auf einer Gesamtmietfläche von 17 400 Quadratmetern soll Büroraum individuell und flexibel gestaltet werden. Erstbezug ist voraussichtlich im dritten Quartal 2017. Auch das Büro- und Geschäftshaus „Air Campus Adlershof“ ist im ersten Bauabschnitt bereits fertiggestellt und erfolgreich vermietet. Jetzt folgen der zweite und dritte Bauabschnitt mit weiteren hochwertigen und flexiblen Angeboten für Unternehmen.

Mit dem „CrossmediaCenter“ an der Franz-Ehrlich-Straße entsteht ein interdisziplinäres Dienstleistungszentrum für die verschiedensten Print- und Onlinemedien. Sein Nachbar ist das Berliner Unternehmen „System 180“, das Ende letzten Jahres nach Adlershof gezogen ist. Das Unternehmen erdenkt und produziert ein markantes Stahlrohrsystem, das in den Bereichen Messe- und Ausstellungsbau sowie Design und Möbelbau eingesetzt wird.

Am westlichen Ende der Rudower Chaussee, in der Nähe des künftigen Landeslabors Berlin-Brandenburg, gibt es sichtbaren Fortschritt im „Oktogon“, dem Campus für Gewerbe und Technologie. Das erste Gebäude ist bereits komplett bezogen, das zweite ist im Bau, und der Startschuss für den Bau des dritten Gebäudes erfolgt im Frühjahr. Der weit über die A 113 hinaus sichtbare, markante Auslieferungsturm des 2012 eröffneten „Audi Zentrums Berlin Adlershof“ in der Nähe der Autobahn-Ausfahrt ist ein bekannter Blickfang. Nun hat sich mit dem „Porsche Vertriebszentrum“ eine weitere renommierte Marke für den Standort entschieden: An der Kreuzung zur Herrmann-Dorner-Allee ist bereits ein 25 Meter hoher Solarpylon zu sehen, der Strom für eine Elektro-Tankstelle liefert. Die Eröffnung des Vertriebszentrums ist im Frühjahr 2017 geplant.

In der weiteren westlichen Verlängerung der Rudower Chaussee, dem Eisenhutweg, entsteht direkt am Landschaftspark das soziale Quartier „VivaCity Adlershof“. Diverse Dienstleistungen und Kooperationen begleiten die Arbeit des Johanniter-Pflegeheims. Direkte Nachbarn im Projekt sind ein Kindergarten sowie 120 Wohnungen einer Wohnungsbaugenossenschaft und ein Geschäftshaus mit Supermarkt. Die Fertigstellung der „VivaCity Adlershof“ wird 2018 erwartet.

Zurück zum östlichen Ende der Rudower Chaussee: An der Kreuzung Dörp-feldstraße und Adlergestell vollzieht sich ein Brückenschlag zwischen Alt- und Neu-Adlershof. Der Komplex „Dörp-feld Eins“ bietet rund 170 Wohnungen und einen Bio-Supermarkt.

Die beste Nachricht kommt zum Schluss: Ein besonders attraktives Baufeld in prominenter Lage, direkt am S-Bahnhof Adlershof, kommt in diesem Jahr an den Markt. Es ist ideal für einen repräsentativen Firmensitz oder eine Konzernzentrale. Städtebaulich markant, mit einer punktuellen Bebauungshöhe von bis zu 54 Metern, soll hier ein imposantes Eingangstor zur Wissenschaftsstadt entstehen. 

Edith Döhring

 

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Stadt

Das Phänomen Menzel

Anlässlich seines 200. Geburtstages konzentriert sich das Märkische Museum in seiner Jubiläumsausstellung auf das Frühwerk Adolph Menzels, der sich vom ausgewiesenen Kunsthandwerker und passionierten Zeichner zum Berliner Jahrhundertmaler emanzipierte. 

Wegen seiner geringen Größe, laut seinem Reisepass noch unter einem Meter fünfzig, bezeichnete ihn Theodor Fontane als „ganz grandiosen kleinen Knopp“. Sogar „Gnomenhaftigkeit“ wurde ihm bescheinigt, weswegen ihm zwar Militärdienst erspart blieb, er aber von Beginn seines Lebens an eine Art Außenseiterrolle spielte. So war Adolph Menzel, der Zwergwüchsige, gezwungen, sich auf andere Weise zu emanzipieren. 

Sein besonderes Zeichentalent wurde früh entdeckt und bereits als Jugendlicher arbeitete er in der Lithografiewerkstatt seines Vaters mit. Nach dem Umzug der Familie von Breslau nach Berlin und dem Tod des Vaters führte der junge Menzel die Werkstatt selbstständig weiter und entwickelte im Laufe der Jahre jene außergewöhnlich feine Druckgrafik, die thematisch seine späteren berühmten Ölgemälde vorwegnahm. Fünfunddreißigjährig avancierte er schließlich sehr zielstrebig zum gefragten Historienmaler. Darstellungen der Hohenzollern brachten ihm  die Anerkennung des preußischen Hofes, seine fantasievollen, hintersinnigen und humorvollen Lithografien, atmosphärischen Landschaftsgemälde, Städtebilder und Porträts die Zuneigung und Treue seiner Freunde, Malerkollegen, Förderer und Kunstsammler. Menzel entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Realisten des 19. Jahrhunderts und zu einem universellen Maler, der weniger ideologisch dachte. Eher viele Seiten bediente, je nachdem, welchen Auftraggebern er gerecht werden wollte oder welche Anforderungen er an sich selbst stellte. Dabei agierte er stets mit dem Blick des Künstlers, des genauen Beobachters. Und zu beobachten gab es im 19. Jahrhundert zuhauf: von der Verherrlichung der preußischen Könige, der Darstellung der biedermeierlichen Idylle bis hin zur Industrialisierung und Modernisierung Berlins. „Sich aus allem eine künstlerische Aufgabe machen“ lautete denn auch sein Lebensmotto. Oftmals unter Zuhilfenahme eines Podests, Stuhls oder einer Leiter, denn aufgrund seiner geringen Körpergröße konnte er manchen Objekten seiner künstlerischen Begierde nur in dieser Weise auf Augenhöhe nahekommen. Dass er auch so zum Malerstar und Jahrhundertkünstler werden konnte, gehörte mit zu seinem persönlichen Lebensentwurf. Das war er nicht zuletzt seiner Größe schuldig. Am Ende wollte er sich gar sein eigenes Denkmal setzen mit Selbstdarstellungen der besonderen Art, indem er sich in den verschiedensten Posen und Aufmachungen fotografieren ließ. Überaus selbstbewusst betitelte er seine Autobiografie mit „Ich“. Für das Märkische Museum Anlass, die sehr persönlich gehaltene Ausstellung „Ich. Menzel“ anlässlich seines 200. Geburtstages einzurichten. Sie zeigt vor allem das Frühwerk Menzels und zeichnet in eindrucksvoller Weise den Werdegang des Künstlers vom exzellenten Lithografen zum Historienmaler nach. Gezeigt werden rund zweihundert Objekte, wobei die Menzel-Bestände des Märkischen Museums und des ehemaligen Berlin Museum erstmals vereint sind. Während der Besucher die berühmten Gemälde Menzels, beispielsweise das „Flötenkonzert Friedrichs des Großen“ oder das „Eisenwalzwerk“ vor seinem inneren Auge hat, kann er nun in der Ausstellung des Märkischen Museums dem „Phänomen Menzel“ näherkommen: wie das Ursprüngliche seiner künstlerischen Handschrift durch das lithografische Druckverfahren wiedergegeben wird. Die Ausstellung führt auch in sein letztes Atelier in der Sigismundstraße 3 im Tiergarten. Dort trafen gelegentliche Besucher und Gäste auf einen mürrisch gewordenen Alten, skurril-sperrigen Außenseiter, der allerdings in Berlin längst Kult war. Vor seiner Ateliertür warteten manchmal alte Männer und Frauen, die sich als Modelle anboten, berichtete ein Malerkollege. Das selten beheizte Atelier selbst war übersät mit Papieren, Totenmasken, Gipsabgüssen und kleineren Bildern. Auf historischen Fotos ist auch sein legendärer Barockstuhl zu sehen, der im Atelier an exponierter Stelle steht und der für Menzel offensichtlich eine besondere Bedeutung hatte: Symbol für ein Jahrhundert, oder als Fetisch, der zur Selbstinszenierung des Künstlergenies gehörte – und vielleicht den Nachgeborenen Rätsel aufgeben sollte. Erfreulicherweise ist der Stuhl im Original in der Ausstellung zu sehen.

Neben dem Atelier befand sich noch ein kleinerer Raum, den Menzel sein „Aller-Heiligstes“ nannte. Umsichtig verwahrte er dort seine Zeichnungen, Skizzenbücher, wichtige Schriftstücke und Briefe. Ein geordneter Nachlass war dem Berliner Malerstar des 19. Jahrhunderts genauso wichtig wie die künstlerische Anerkennung weit über seinen Tod hinaus. 

„Altmeister Adolph Menzel ragt noch heute wie ein Jüngling über alle Strömungen hinweg, die sich seit einem halben Jahrhundert in der Malerei geltend gemacht haben“, heißt es bereits zu Lebzeiten in der ersten Ausgabe von „Berliner Leben. Zeitschrift für Schönheit und Kunst“ aus dem Jahr 1898. Dass die Nachwelt ihn allerdings ausschließlich unter „Ausschluss des Anekdotischen“ sehen sollte, war ein frommer Wunsch von ihm.

Reinhard Wahren

 

Information

Ich. Menzel
Bis 28. März 2016
Märkisches Museum, 
Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin
Begleitprogramm unter: 
www.stadtmuseum.de

 

65 - Winter 2016
Kultur

Das Glück in der Garage

Edel, verspielt, teuer und sinnlich: echte Oldtimer wie dieser Borgward mit Vase am Armaturenbrett. [Fotos: Berlin vis-à-vis]

Ein Grund, sich auf den Sommer zu freuen, ist auch die steigende Wahrscheinlichkeit, im Stadtbild oder auf den Landstraßen rund um Berlin wieder den einen oder anderen Oldtimer bestaunen zu können. Und dabei für einen Augenblick eine kleine Zeitreise zu machen, wenn diese selten gewordenen Pferdestärken, meist gut erhalten und blitzeblank, von ihren Besitzern ausgeführt werden.